Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Rabbi Meir
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 2)
- Language
- German
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126 Rabbi Meir. heiliger Mensch, ein Mensch, dessen Frömmigkeit dabei still und geräuschlos verlaufe (Jerusch. Bernch ot ll, 6). Scheinbar im Widersprach mit dieser Selbstverläugnung, genau genommen aber diese Selbstverleugnung selbst erst adelnd, insofern als ihre Quelle die Religiosität und die Einsicht, nicht unmännliche Nachgiebigkeit oder Mangel an,^Selbstvertrauen sich offenbart, ist das Auftreten R. Melr's gegen den Nasi, 8t. Simon. Dieser mit Recht auf seine durch Stellung, Reichthum, Gelehrsamkeit und überaus gemeinnütziges Wirken hervorragenden Ahnen stolze und von den Traditionen derselben erfüllte Mann glaubte es sich schuldig zu sein, für sich bei seinem Eintritte m’8 Lehrhaus eine größere Auszeichnung in Anspruch zu nehmen, als dem Ab-bet-Din und dem Chacham zu Theil wurde. Im Grunde war seine Forderung eine gerechte und auch durchaus keine so kleinliche, als es beim ersten Anblicke scheinen dürste. Die hervorragende Stellung des PatriKHats auch in Kleinigkeiten war für das Bestehen einer festen Disciplin durchaus von der äußersten Wichtigkeit, und es kann Keinem, der jene Zeiten kennt, entgehen, wie heilsam auf die Einheitlichkeit der religiösen und wissenschaftlichen Bestrebungen gerade dD Constquenz des Hillel'schen Hauses selbst in minutiösen Dingen gewirkt hat, so wenig wie sich läugnen läßt, daß fast bei allen großen Persönlichkeiten, die diesem Hause entsprossen waren, neben der eifersüchtigen Bewachung aller Vorrechte des Patriarchats eine Heiligkeit und Unantastbarkeit des Lebenswandels hergeht, die am besten beweist, daß allgemeine, nicht persönliche Rücksichten ihr Verfahren leiteten. R. Simon fehlte nur darin, daß er, statt seine Collegen vorher von seinem Vorhaben in Kenntniß zu setzen, eines Tages einfach den Befehl gab, daß dem Ab-bet-Din und dem Chacham, wenn sie in das Lehrhaus treten würden, nicht mehr die früher üblich gewesene, sondern eine geringere Auszeichnung zu Theil werden sollte. Da R. Meü und R. Nathan, unvorbereitet, wie sie waren, darin nur die Absicht sie zu kränken sehen konnten, so faßte elfterer, der dem Nasi an Gelehrsamkeit und Scharfsinn weit überlegen war, den Entschluß, durch Fragen auf entlegenen Gebieten der Halacha die nicht zureichende Fähigkeit des Patriarchen an den Tag zu bringen und so seine Absetzung zu bewirken. Und als der Nasi in Folge dessen sowohl ihm als R. Nathan den Besuch des Lehrhauses ganz untersagte, wußten