Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Wann war die Eroberung Jerusalems durch Pompejus, und wann die durch Herodes?
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 6)
- Language
- German
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114 Wissenschaftliche Aufsätze. vielmehr, daß er sich dann ungefähr noch 14 Tage hielt und also im dritten Monat der Belagerung erstürmt wurde. Nun könnte ich zwar die Differenz, daß Jerusalem damals nach der einen Angabe im dritten Monat, nach einer anderen erst im fünften erobert worden sei, ohne Härte für einen der unzähligen Widersprüche im Josephus erklären, doch habe ich dgfür einen besseren Ausweg: Herodes fing die Belagerung schon im Februar an, hatte aber zu wenig Mannschaft dafür, weil natürlich Sosius so früh nicht ausrücken wollte, und reiste deshalb, seine Leute vor Jerusalem zurücklassend, nach Samarien, um dort seine Hochzeit zu feiern; als er zurückkehrte, wahrscheinlich unmittelbar nach Pesach, kam Sosius mit hinlänglicher Unterstützung, nun erst begannen Belagerung und Angriff ernstlich, und von da an im dritten Monat wurde Jerusalem erobert. Auch stimmt hierzu trefflich: die Notiz ant. 14, 16, 2, daß .(als Sosius nachgekommen war) vjv, xal 0u5sv S[x7c08d>v ■rcpos tyjv avaaTaav out «wo tou aigoq out «wo twv spY«£0jj.svM1>, also: daß es nun Sommer war und die Belagerungsarbeiten weder durch die Witterung noch von Seiten der Arbeiter erschwcrt wurden — diese Worte enthalten vielleicht sogar einen Rückblick darauf, ״Laß in der ersten Zeit der Belagerung die Witterung noch ungünstig war, jedenfalls aber passen, sie vermöge des palästinischen Klima's weit besser auf den April und Mai, als mit Jost aus Juli und August, welche Monate dort in der Regel unerträglich heiß sind; auch scheint dies Jost nicht entgangen zu sein, und blos weil auch die Liebe des Kritikers zu seinen Annahmen häufig blind macht, will er seltsamerweise in jenen Worten gefunden haben, daß ״die starke Hitze die Krieger beim Auswerfcn der Bollwerke ermüdete"! Daß aber Jost meint, daß erst am Ende des Sabbatjahres der Mangel verspürt werden konnte, darin irrt er: da die Belagerten alle Vorräthe vor Jerusalem zerstörten nnd die Zufuhren durch detachirte Banden häufig auffangen ließen (ant. 14, 16, 2), so konnten die 30,000 Belagerer auch ohne Sabbatjahr in Noth kommen; die Belagerten aber waren nicht im Voraus mit Vorräthen versehen, weil die Belagerung gegen ihr Erwarten schon im Februar anhob; von selbst hatten sie auch keine ansehnlichen Vorräthe, weil denn doch, als sie anhob, die letzte Ernte schon 9—10 Monat vorbei war; als daher die Belagerung sich ausdehnte, waren gewiß alle ihre Vorräthe bald ausgezehrt, doch da Herodes und Sosius eigentlich nur von der Nordseite her sie einschlossen, hätten sie von mehreren Seiten her sich Lebensmittel holen können, und dies versuchten sie auch ohne Zweifel, allein sie fanden wenig, eben weil nicht geerntet worden war,