Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Rabbi Meir
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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99 Rabbi Mei'r. belohne, wo ein Vösewicht sie übe, oder wo die Absicht nicht die reinste sei. Welches göttlichen Segens, fuhr er darauf fort, habt ihr euch erst, Brüder von Uscha, würdig gemacht, die ihr edel und fromm in der edelsten und reinsten Absicht unsere Lehrer versorgt und so das allgemeine Beste habt fördern helfen? Entweder in dieser oder in der unmittelbar darauf folgenden Zeit wurde die Patriarchenwürde (das Nasiamt) an R. Simon, den einzigen Rest unb Stammhalter der Hillel'schen Familie, der nur mit genauer Noth dem über ihn verhängten Tode sich durch die Flucht entzogen hatte (vgl. Grätz, Gesch. der Juden, Note 28) und später als die andern flüchtigen Lehrer zurückgekehrt war, als an ihren durch die Geburt dazu berechtigten Träger verliehen. Die Würden im neuconstituirten Synedrium (zu Uscha) waren nach Horajot 13b so vertheilt, daß R. Simon Nasi, R. Nathan der Babylonier Ab-bet-din und R. Mei'r Chacham war. Obgleich R. Mei'r somit nur als Dritter in der Reihe der Würdenträger sungirte, so könuen wir aus seiner Ernennung zum Chacham dennoch mit Recht folgern, daß ihn die Meinung seiner Collegen als den eigentlichen Mittelpunkt ihres Kreises ansah. Nicht blos R. Simon, sondern auch der Babylonier R. Nathan verdankten ihre Emennung der vornehmen Geburt^), R. Mei'r verdankte sie einzig feiner eigenen Bedeutung. Zudem waren die Functionen des Chacham von der Art, daß sie durchaus eine ungewöhnliche Capacität erheischten. Der Chacham hatte nämlich aller Wahrscheinlichkeit nach das Geschäft eines gelehrten Berichterstatters (Referenten) b). Er Mußte den Gegenstand, über welchen nachträglich eine allgemeine Discussion stattfinden sollte, vorerst untersuchen und nach allen Seiten hin beleuchten. Wie viel Spielraum für den Scharfsinn eines R. Meir! Offenbar in Verwunderung über seine Leistungen nach dieser Seite hin lesen wir (Erubin13b) das merkwürdige Wort: ״Gott weiß es, im Zeitalter Meir's lebte Keiner, der ihm gleichkam. Nur konnten 7) Wie aus den Worten zu ersehen, die R. Simon an R. Nathan richtet: Wenn Dir auch der Gurt Deines Vaters zum Ab-bet-din verhilft, so verhilft er Dir noch nicht zum Nasi, wozu Aruch 8. v. קמר die Erklärung Scherira Gaon's citirt, daß R. Nathan's Vater Resch Geluta in Babylonien war. 7) Vgl. hierüber die Erörterung des Herrn Herausgebers. Jahrg. 183.2, S. 348 ff. , 8*