Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Rabbi Meir
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 11)
- Language
- German
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98 Rabbi Mei'r. List rettete, Während nämlich die Häscher auf ihn fahndeten, machte er sich mit verbotenen Speisen zu thun, als ob er dieselben zu genießen trachtete, und paßte daher, wenn man so sagen darf, schlecht zu dem Signalement, das wohl den frommen Rabbi als besonderes Kennzeichen hatte (Aboda Sara 18b. Midrasch Kohelet zu Cap. 7. V. 11). Wir finden darauf 9t. Melr in Uscha wieder^), wo er an der Seite seiner würdigen Collegen an der Restauration der gesunkenen Gesetzeslehre thätig mitarbeitet. Der Hergang wird (Midrasch Schir Haschirim zu Cap. 2, b) ungefähr so erzählt: Nachdem die böse Zeit der Hinrichtungen vorübergegangen war, begaben sich unsere Lehrer nach Uscha und folgende waren es: R. Jehuda, R. Nehemia, R. Mei'r, R. Jose, R. Simon ben Jochai, R. Eleaser ben Jakob und R. Elieser ben Jose. Sie schickten Aufforderungen an die Nettesten Galiläa's folgenden Inhalts: Wer gesetzkundig ist, der komme und lehre, wem diese Kunde abgeht, der komme und lerne. Dieser Aufforderung wurde im vollsten Sinne genügt, wie aus den Worten R. Jehuda's: ״Wer von Euch 10 oder 20 oder 30 oder 40 Mil sich hieher bemüht hat, um die Worte des Gesetzes zu vernehmen u. s. w." genügend hervorgeht, so daß die ganze Umgegend an diesem Kongreß von Gelehrten sich betheiligte. Die ganze Zeit ihres Aufenthaltes wurden sie von den Bewohnern Uscha's bereitwillig und liebevoll mit allen Bedürfnissen versehen. Als sie daher sich anschickten, den Ort zu verlassen, da sagten sie zu einander: der Ort, in welchem wir so viel Liebes und Gutes erfahren haben, sollten wir ihn so leer, d. h. ohne in feierlicher Weise unsere Dankbarkeit erkennen gegeben zu haben, verlassen? Da betraten die Sieben nach einander die Rednerbühne und zwar R. Jehuda zuerst, nicht, wie der Midrasch ausdrücksich hinzusügt, als ob er der hervorragendste unter seinen Collegen gewesen wäre, sondern weil Uscha seine Vaterstadt war und hier der Ort den Mann ehrte. Der Gedanke, den 9t. Meir, als die Reihe an ihn kam, bei dieser Gelegenheit, an einen Bibelvers anknüpfend, aussprach, war etwa folgender: die Gastfreundschaft stehe so hoch bei Gott, daß er sie selbst da k) Die Annahme, daß N. Meir in Folge des eben erzählten Falles wieder nach Babylonien floh, wird im Talmud selbst durch ein nvnn n2׳n paralyfirt, paßt auch schlecht in den Zusammenhang.