Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Rabbi Meir
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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96 Nabbi Meir. lernen, vielmehr unterhielt erHtets einen lebhaften Gedankenaustausch mit Männern von Bedeutung, sie mochten übrigens seines Glaubens sein׳, oder nicht. Getreu seinem Sähe, daß auch in einem Heiden, der gewissenhast, die allgemein menschlichen Pflichten, übt,,mn gleicher Weise-hie Menschenwürde zu ehren sei, wie , in dem Hohenpriester flSynh e dri n ö9a), finden wir ihn im herzlichen Einvernehmen .nrit einem heidnischen Philosophen Oenomaus arrs Gadara^), den er nach dem Berichte des MidraMMuth zu 1. 8) beim Todesfälle seiner Angehörigen nicht verghsaumt aufzusuchen, um. ihm sein Beileid zu bezeigen. Freilich scheint Oenomaus mach Allem, was uns von ihm erzählt wird, noch weit, mehr׳ von R, Mei'r gelernt zu haben. Er war nämlich in seiner philosophischen Richtung ein abgesagter Feind des heidnischen Aberglaubens, und polemisirte, mit ,gleicher Heftigkeit und FreimüthiHkeit-Gegen die heidnischen Orakel wie gegen׳.chen stoischen FaWismH, gegen welchen er die Freiheit des menschliche^ MMs׳ .׳?(bekanntlich' eine von R. Akiba in den schönen WortenMbot 3, 19 nachdrücklich vorgetragene Lehre), als die eigentliche Basis des menschlichen Lebens ׳betonte. m Auf diese Weise hätten wir eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Quellen, aus denen R. Meü sein reiches Wissen geschöpft, wobei freilich R. Akiba die bei weitem benutzteste und erkennbarste bleibt. Nicht gering ist endlich der Einfluß anzuschlagen, den seine Frau, die eben so gelehrte als hochherzige Beruria, wenn auch nicht aus seine wissenschaftliche Richtung, doch auf seinen Charakter ausüben mußte. Tochter des R. Chanina ben Teradjon, dessen Seelengröße, als er um der Verbreitung der Lehre willen aus dem Scheiterhaufen endete, selbst das Herz des Henkerknechtes mit dem tiefsten Mitleiden und mit den Ahnungen eines bessern Lebens erfüllt hatte, war sie Erbin der Gelehr- 5) Auf diesen. Namen wurde ich durch Herrn Di׳. Grätz aufmerksam gemacht, der in seiner Geschichte den im Talmud und in den Midraschim vorkommenden Namen אבנימום für den bekannten Numenios hielt. Daß den Buchstaben nach genau paßt, ist klar, da das griechische ei sowohl als 01 durch אב in der Negel wiedergegeben wird. Ebenso erklärt sich das Epitheton הגדרי) דוגח־־י) als der Gadaraeer. Auch die Zeit und Lehre passen genau. Vergl. hierüber Zeller, Ge sch. der Philosophie der Griechen. 3. B. 1. Abth. S. 417 und die Quellen, die er anführt.