Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Rabbi Meir
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 6)
- Language
- German
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Rabbi Meir. 93 sehr befriedigenden Weg. Die Einfachheit einerseits^), die Ausschmückung und Dersinnlichung durch Gleichnisse andererseits (Synhedrin 38b) ist das Charakteristische seiner hagadischen Vorträge. Namentlich war es die Fabel, in der er den Sinn bedeutsamer Bibelsätze plastisch ausprägte. Der Fuchs allein, diese bei den Fabeldichtern aller Zeiten stereotype Figur, soll von ihm mit nicht׳ weniger als mit 300 Fabeln bedacht worden sein, und die Proben von Fuchsfabeln, die Nascht (an der angegebenen Stelle) von ihm anführt, sind namentlich durch ihre schlagende Anwendung auf die Verse außerordentlich pikant. Bei seinem Tode beklagte man in ihm den letzten großen Gleichnißredner (Sota 49a). R. Akiba war sein vorzüglichster, nicht sein einziger Lehrer. Er selbst erzählt von sich (Erubin 13a), daß er erst bei R. Jsmael studirt und von diesem zu 8t. Akiba gekommen sei, und es gilt als Regele daß überall, wo reserirt wird, ein Schüler habe dem Rabbi Akiba Etwas im Namen des R. Jsmael mitgetheilt, unter diesem Schüler R. Me'ir zu verstehen sei. Schon im Talmud wird dieser Uebergang Meir's von einem Lehrer zum andern als ein gradueller gefaßt. Bei dem nüchkernen, die Kühnheit der Akiba'schen Methode nicht in ihrem ganzen Umfange billigenden R. Jsmael, bereitete er sich durch theilweise Aufnahme des traditionellen Stoffes zu den diesen Stoff mit dialektischer Schärfe sichtenden und durch Deduktionen vergrößernden Vorlesungen Akiba's vor. ׳ 'Nicht uninteressant dürste hier die Zwischenbemerkung sein, daß 8t. Meir schon damals sein Handwerk eines libellar (Abschreibers der heiligen Schrift), das ihn sein ganzes Leben 2) Was die hier und im Eingänge behauptete Einfachheit in der hagadischen Auslegung der Bibel betrifft, so kann dieselbe nur durch eine Reihe von Beispielen bewiesen werden, wobei wir uns freilich, damit die Behauptung nicht mißdeutet werde, erinnern müssen, daß die Hagada nicht trockene Exegese, sondern Erbauung zum Zweck hatte, daher hier nur von einer häufig, nicht überall, darum jedoch nichtsdestoweniger charakteristischen Hinneigung zum einfachen Wortfinne die Rede sein kann. Man vgl. (Ber. rab. 36), wie R. Me'ir den Vers in Hiob: זחזא ישקיט ונוי ירשיע erklärt mit der andern dort gegebenen Deutung. Ebenso, was er Ber. rab. 53 zu תחת אחד השיחים bemerkt und was R. Ami hinzufügt. In gleicher Weise parallelisire man die Midrasch Ruth zu 3, 13 von R. Meir gegebene Erklärung zweier Bibelverse mit der von Elischa im Namen N. Akiba's angeführten. Die bekannten Worte: מגא מגא תקל ופרסן erklärt N. Meir (Schir Haschirim R. zu 3, 4) כמשמעו,