Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Rabbi Meir
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829178-2829182-2853601--02167-2853631- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
92 Rabbi Men׳, noch durchaus jugendlichem Alter zu denken. Es wird (Synhedrin 14a) berichtet, daß R. Juda ben Baba, der letzte der bekannten zehn Märtyrer, die sieben Schüler des R, Akiba trotz des ausdrücklichen Verbotes von Seiten der römischen Regierung durch die übliche Handauflegung (Semicha) zu Lehrern geweiht habe. Bei dieser Gelegenheit wird behauptet, daß R. Men bereits von R. Akiba die Semicha erlangt, daß dieselbe jedoch wegen der zu großen Jugend Me'ird keine allgemeine Anerkennung gefunden habe. Fragen wir jetzt, was eigentlich R. Men׳ diesem seinem Lehrer verdanke, so ist die Antwort: Auf halachischem Gebiete so ziemlich Alles, was ein origineller Kopf dem andern danken kann, die genaue Kenntniß der Halacha, mehr aber noch die eigenthümliche Methode, eine Methode, die R. Meir selbst so hoch anschlägt, daß er in einer für die Praxis wichtigen Halacha den Satz aufstellt: Als eigentlicher Lehrer ist nicht derjenige anzusehen, der uns Mikra und Mischna (das bloße Material), sondern der uns Chochma (die geistige Durchdringung des Stoffes) lehrt (Baba Mezia 33a). Hatte R. Akiba mit bewundernswürdigem Scharfsinne Gesetze deducirt, an deren Herleitung aus der Bibel R, Jochanan ben Saccai verzweifeln mußte (Sota 27b), so setzte R. Meir nicht minder seine Collegen durch seine Dialektik in Erstaunen, und Aeußerungen wie die: ״Wer R. Meir im Lehr- Hause sah, dem war zu Muthe, als sähe er Berge entwurzeln und gegen einander reiben" (Synh. 24a) und ähnliche (Erubin 13b) beweisen zur Genüge den tiefen Eindruck, den der Scharfsinn des Mannes auf seine Hörer übte. Was jedoch die erwähnten positiven halachischen Kenntnisse betrifft, die ihm sein Lehrer hinterlafsen hatte, so dürfen wir uns nur erinnern, daß unserer Mischna die des R. Akiba nach dem Referate und wohl auch nach der systematischen Anordnung R. Mens zu Grunde liege. (So oft in der Mischna ein unbestrittener Satz ohne Nennung eines Namens aufgestellt wird, so rührt derselbe von R. Meü nach der Tradition von seinem Lehrer Akiba her.)') Weit weniger scheint R. Meir die hagadische Auslegung seines Lehrers sich zu eigen gemacht zu haben, wie ihn ja Elischa häufig erinnert: ״Nicht so hat diesen Vers Dein Lehrer Akiba gefaßt", vielmehr ging er in dieser seinen eigenen, das Publikum I) Rach dem bekannten Canon: ההם מר״ניהן ר׳ טאיר ים׳ יגולדזא^יבא דר׳ עקיבא.