Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Rabbi Meir
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 3)
- Language
- German
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90 Rabbi Men׳, Auffassung der ihm in den Wurf kommenden Personen und Verhältnisse, sowie manche seiner Sätze von seiner die Askese nicht sonderlich begünstigenden Ansicht, So wenig er Anstand nimmt, dem aus dem Herzen kommenden Gebete mit ausdrücklichen Worten eine rettende Kraft zuzuschreiben, ist er es doch wiederum, der die langen Gebete verwirft, der uns selbst das beste Muster eines kurzen Gebetes aufstellt und der einer nach ihrer Meinung von Eli abstammenden und darum im Mannesalter hinsterbenden Familie auf ihr an ihn gestelltes Ansuchen, für sie zu beten, den Rath gibt," statt durch Gebet durch Werke der Mildthätigkeit das über sie verhängte Unglück abzuwenden. Seine im Geiste seines Lehrers gethane bittere Aeußerung über Solche, die aller religiösen und sittlichen Nusbildung baar statt ein menschliches Leben zu führen, nur thierische Gelüste kennen, war so weit entfernt, ihn zum Geistesaristokraten zu machen, daß er vielmehr sehr häufig populäre, von Laien beiderlei Geschlechts stark besuchte Vorträge hielt, aus denen Fragmente im Gedächtnisse der Laien mit einer gewissen Frische fortlebten. Es kann keine Frage sein, daß die eben geschilderte Vielseitigkeit in dem Charakter des Mannes hinreicht, ihm ein über die enge Grenze eines Faches weit hinausragendes Interesse zu geben. Fügen wir hinzu, daß diese seltene Vielseitigkeit ineinandergearbeitet und zusammengehalten.wurde von einem mit Bewußtsein erfaßten Principe, der religiös-sittlichen Lebensanschauung, das in ihm, wie zum Theil schon aus dem Gesagten hervorgeht, weit entfernt, ein theoretisches Stillleben zu führen, vielmehr als mächtiger Hebel das Leben in Bewegung setzte und formte, so werden wir nicht ungern, den Staub von diesem herrlichen Mde der Vorzeit schwinden und es seines Namens מאיר (der Erleuchtende) würdig in die Gegenwart hineinleuchten sehen. R, Mel'r war einer jener sieben Jünger Akiba's, welche in Folge der hadrianischen Blutedikte gegen die Juden, namentlich gegen die Lehrer des Gesetzes, flüchtig geworden, nach dem Tode des Bedrängers sich wieder zusammenfanden, um durch ein einheitliches Wirken die bedrohte, fast einzig nur noch durch sie repräsentirte Gesetzeskunde wieder neu zu beleben und ׳zu verbreiten. In der Ebene Rimmon kamen sie zusammen, und eingedenk der Wichtigkeit ihrer Mission, wohl auch des fernblickenden Vermächtnisses ihres für Glauben und Nationalität