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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 3 · p. Seite 89

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 3
Article
Rabbi Meir
Date
1855-01-01
Page
Seite 89 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Rabbi Me'i'r. 89 lichen Erfahrung Getrennte, nur in einer Summe von Jndividuen Anzutreffende durch die Macht einer hervorragenden Individualität in unbegreiflicher und doch wiederum in orgairischer Weise vereinigt au stritt, fühlen wir uns von dem Zauverhauche des trotz seiner Unbegreiflichkeit Klassischen, trotz seiner Räthselhaftigkeit vorn Gefühl Begriffenen wunderbar angeweht. Der Mann״.dessen Lebensbild wir im Folgenden unfern Lesern zu entwerfen beabsichtigen, war eben einer jener seltenen Menscheu, deren Geist und Charakter, ohne den geringsten Widerspruch zu enthalten, dennoch die entlegensten Gegensätze umspannt. Mit einem seltenen Gedächtnisse verband er einen von Mit- und Nachwelt angestaunten, sprüchwörtlich gewordenen Scharfsinn. Mit einer seine Collegen häufig stutzig machenden Kühnheit in der Handhabung der von seinen Vorgängern, namentlich seinem großen Lehrer, dem R. Akiba, überkommenen dialektischen Methode paarte sich bei ihm eine gewisse Nüchternheit, durch» den einfachen Wortsinn zufriedengestellte Bescheidenheit in der hagadischen Auslegung des Bibelwortes. Rigoros strenge gegen sich selbst bis zur Peinlichkeit und häufig erschwerend in seinen Halachot, war er Andern gegenüber vielleicht der toleranteste aller Tanann. Durchdrungen von einem männlichen Bewußtsein seines Werthes, und jede absichtliche Verkleinerung desselben, auch wenn sie von einem Hochstehenden ausging, mit Entschiedenheit zurückweisend, lehrte er in den nachdrücklichsten Worten Demuth und Bescheidenheit auch gegen den Niedrigsten, und übte diese Lehre mit geradezu rührender Aengstlichkeit, sowohl den Ansichten seiner Collegen gegenüber, als auch im Verkehr mit gewöhnlichen Leuten. Nach seiner theoretischen Ansicht ein dem Weltwesen abgewandter Idealist und in seinen Wahlsprüchen aus die emsige Beschäftigung mit der Lehre und möglichst geringe Hingabe an den Erwerb dringend, verhinderte ihn dies nicht, so oft die äußere Welt sich an ihn drängte, ihr mit Takt, Witz und aus ihr selbst hergeholtem Rüstzeuge zu begegnen, so wenig wie es ihn unfähig machte, sein Brod durch die Arbeit seiner Hände zu verdienen. Von dem Glauben an die Unsterblichkeit der Seele tief durchdrungen und dem Leben in der Zeitlichkeit so geringen Werth beimessend, daß er den Tod geradezu für ein Gut erklärte, zeugt nichtsdestoweniger sein ganzes Auftreten und selbst die Art seiner Ausdrucksweise von einer frischen, lebenswarmen

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