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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 3 · p. Seite 87

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 3
Article
Über die gegenwärtige Stellung der Parteien im Judenthume
Date
1855-01-01
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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der Parteien im Jndenthume. 87 die vom Extreme aus die Welt wie das Judenthum betrachten. ״Wir folgen unsrer Ueberzeugung mit Allen, mit Vielen oder mit Wenigen, und wenn auch nur Einer bliebe! Wir lassen nicht mit uns handeln — von unsrem Wege uns nicht abbringen, und wer nicht ganz mit uns geht, der gehört nicht zu uns — und wir sind die echten, die wahren Juden — folglich ist er auch kein Jude mehr!" — Wir wollen nicht versuchen, die Lieblosigkeit, die Anmaßung dieser Sprache zu schildern, auch nicht deren Träger zu bekehren. Auch ist es nicht die Absicht dieser Zeilen, die wissenschaftlichen Streitfragen zu berühren, die religiöse Berechtigung der verschiedenen Standpunkte zu untersuchen; die praktischen Lebensverhältnisse, die Folgen für das Leben und im Leben sollen reden. Was wird aus Israels winziger Schaar werden, wenn nicht nur die großen prineipiell geschiedenen Parteien, sondern in diesen Parteien selbst die einzelnen Fractionen auseinander fallen? Jede Treunung ist ein Uebel: sollen so viel Gemeinden sich bilden,' als verschiedene religiöse Ansichten herrschen? — Glaubt man denn wirklich durch Ausschließlichkeit zum Ziele zu kommen? Erbitterung wird man säen — und Unheil ernten. Die Männer der Mitte werden und können sich die Ueberzeugung von der Berechtigung des Lebens neben der Lehre nicht rauben lassen; sie werden ebensowenig die Wissenschaft fallen taffen und die ganze Geschichte Israels, alle seine Fortschritte und Erfolge, Lügen strafen. — Fährt man fort mit Verkennung der Zeit und UeberschäHung der eignen Bedeutung das ganze heutige Israel bis auf seine eigne kleine Fraction zu verdammen: dann wird ein neuer Riß entstehen — dann wird nothgedrungen eine entschiedene Mittelpartei sich bilden — und neue Spaltungen, neue Kämpfe beginnen. Möge man es also nicht zu dem Versuche treiben, mögen Alle, welche es mit Israels alter Lehre Ernst meinen, treu zusammenh alten und gemeinsam den bessern Geist pflegen, wo und wie er sich zeigt. Nicht Trennung — Verbindung thut uns Noth; und stehen wir auch der eine mehr der andre weniger rechts — wir haben einen gemeinsamen Kampf zu kämpfen: nicht Trennung sondern Verbindung thut uns noth. Hannover. Landrabbiner Dr. S. Meyer.

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