Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über die gegenwärtige Stellung der Parteien im Judenthume
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
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der Parteien im Judenthume. 85 bricht. Es ist natürlich, daß man den Druck nicht mehr ertragen will, daß man lieber sich trennt als einen Scheinfrieden bestehen läßt. Und wenn in Mecklenburg vor 1848 von Staatswegen reformirt wurde — warum sollte nach 1848 nicht von Staatswegen zurückresormirt werden? — und wenn die Gläubigen früher die mit dem Arme des Staates gerüstete Unduldsamkeit der Aufklärung ä tont prix ertragen mußten — warum sollten sie jetzt nicht dieselbe Staatsgewalt für ihre Zwecke benutzen? Wir können auch dieses begreifen — weil wir die menschliche Schwäche kennen; aber billigen nimmer — nimmer loben, daß man das Heiligste durch äußere Gewalt erzwingen will und im Namen Israels den christlichen Staat zur Hülse ruft, um die Gebote der Thora zu vollziehen. Unerhört ist es in Israels Geschichte: und wenn von der Linken gesündigt ward, sollte es, auch von der Rechten geschehen? — Aber man geht noch weiter! Die jungen heißblütigen Kämpfer zumal, ihre Aufgabe, ihre Bedeutung verkennend, meinen durch Uebertreibung, durch Ausschließlichkeit ihren Zweck zu erreichen, wie denn die Jugend überall im Dortrab der Zeit sich befindet. Sie wissen es nicht, daß sie nur der Strömung folgen, die früher vorwärts und jetzt rückwärts geht — sie ahnen es zum Theil selbst nicht, daß sie nur in Israels Mitte eine Erscheinung wiederholen, die in anderen Gebieten seit vielen Jahren schon dem kundigen Auge sichtbar wird. Nicht zufrieden mit dem gemeinsamen Kampfe ׳ gegen die gemeinsamen Gegner, säen sie Zwietracht im eignen Lager: da wird der Ausschließlichkeit das Wort geredet, der Uebertreibung gehuldigt — da werden Principien ausgestellt, wie sie im vulgären Volksbewußtsein der letzten Jahrhunderte wurzeln mochten, aber nimmer als in den Quellen begründet, als Grundlehren Israels, von dem Kundigen, von der Wissenschuft anerkannt werden können. Wird doch die Wissenschaft selbst verdammt: nicht Wissen und nicht Können —■ nicht Studium noch Gelehrsamkeit, die Gesinnung soll den Mann machen; die Gesinnung allein entscheiden, die s. g. Frömmigkeit allein die Befähigung ersetzen, aus die That allein soll es ankommen, nicht aus die Kenntniß — und so wird dem Extrem gehuldigt; und so wird ein Riß hervorgerufen, der schwer, schwer zu heilen sein wird. Ist etwa nicht an der einen großen Trennung genug, oder ist etwa schon der Sieg errungen? Ist der Kampf des Glaubens