Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 3 · p. Seite 84

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 3
Article
Über die gegenwärtige Stellung der Parteien im Judenthume
Date
1855-01-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2829132-2829178-2829182-2853600--02157-2853623
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

84 Uekr die gegenwärtige Stellung sicheres Kriterium finden lasse: ein äußeres, welches schon die Politik lehrt, daß Alle, welche die Gegner bekämpsen, zu den Freunden gerechnet werden müssen; und ein inneres, welches Alle, die principiell die Gültigkeit des alten Iudenthums, wie es sich im Rabbinismus entwickelt hat, anerkennen, zur Rechten zählt — mögen sie über Einzelnheiten verschiedener Ansicht, über die Räthlichkeit und Zweckmäßigkeit einzelner Abänderungen verschiedener Meinung sein. — Man könnte auch so unterscheiden, daß zur Linken Alle gehören welche reformiren, umgestalten, verbessern wollen — weil sie wollen; weil sie die Verbindlichkeit, die Gültigkeit, die religiöse Bedeutung des Bestehenden nicht anerkennen; zur Rechten aber alle, welche — wenn sie überall aus eine Umgestaltung eingehen — nur reformiren weil sie müssen, weil sie durch Zeit und Umstände dazu veranlaßt werden — weil ihnen die Ueberzeugung durch redliche Forschung, durch den Blick aus ihre Zeit sich aufgedrängt, daß bei aller Gültigkeit und Verbindlichkeit des Bestehenden dennoch das Eine oder Andere, das in der Zeit entstanden, auch mit der Zeit gehen müsse — und daß man eben unterscheiden müsse zwischen dem Ewigen, das nach Zeit und Umständen nicht fragt, und dem Wandelbaren, das man — wenn auch ungern — hingeben dürfe, wenn es zur Rettung des Ganzen erforderlich scheint; wenn die Verhältnisse cs verlangen. Es ist klar, daß bei solcher Scheidung eine Kluft in den Principien zwischen der Rechten und Linken liegt, die nicht überschritten werden kann, und daß die beiden äußersten Enden der Rechten sich einander näher stehen, als die, welche in der Mitte rechts und links am dichtesten zusammen stoßen, weil jene Kluft — die Frage von der Gültigkeit des rabbinischen Iudenthums — sie trennt. Was wir nun aber als Folge des Umschwunges nach 48 auf das Tiefste beklagen, das sind die Symptome welche darauf Hinweisen, daß in der Rechten selbst schon jetzt eine Spaltung einzureißen droht, indem die äußerste Rechte mit einer Entschiedenheit, die an Unduldsamkeit grenzt, sich als die allein Berechtigte, als die einzig wahre Vertreterin des Iudenthums betrachtet. Wir können es begreifen, daß das lange Ertragen des Unrechts, das Erdulden der zwangsweise eingeführten, das religiöse Gefühl verletzenden Reformen eine Erbitterung erzeugt hat, die sich nun bei dem Umschwung der Verhältnisse Bahn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.