Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über die gegenwärtige Stellung der Parteien im Judenthume
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
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der Parteien im Zudenthum«. 83 — also für heute — das Ende dessen verkünden, was fle ״Unsinn und Aberglauben" nannten, um jenes widerliche Treiben ganz zu würdigen. Es hat sich abermals herausgestellt, daß nicht das was laut auf dem Markte sich spreizt, sondern das was still in den Gemüthern lebt das Ewige, das Unvergängliche ist; daß Israels Lebenskraft unerschöpflich und seine Thora, die dem Andringen einer feindlichen Welt Jahrtausende hindurch siegreich widerstanden^ auch den schmerzlichen Streichen der eignen abtrünnigen Kinder nicht erliegen sollte. — Als in den 30er Jahren der Angriff sich organisirte, als er, der früher in hochmüthiger Unwissenheit nur absprechen konnte, nunmehr aus der Rüstkammer des Judcnthums selbst seine Waffen holte, als er seine Negation wissenschaftlich begründen wollte, da erstand zuerst die Abwehr, ebenbürtig und überlegen, weil in der Tiefe des Gemüthes und Glaubens wurzelnd. Es traten Männer auf, die mit der Bildung und dem Wissen der Gegenwart den Glauben der Vorzeit verbanden und mit den Waffen des Geistes siegreich Israels Heiligthum vertheidigten. Und während immer lauter, immer vieltöniger der Chor Derjenigen wurde, die eine Umgestaltung des Judenthums, eine Reformation aus dem Unglauben heraus, erstrebten — konnte es dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen, daß tief in den Gemüthern eine Umkehr zum Bessern sich vorbereitete; daß eben die Maßlosigkeit der Angriffe eine festere, selbstbewußtere Anhänglichkeit Hervorrufe. Es ist nicht wahr, daß erst mit dem Umschwung, der auf das Jahr 48 folgte, auch ein Umschwung in Israel stattgefunden. Der Bruch zwischen der Rechten und Linken war schon früher ausgesprochen — ein Zusammengehen nicht ferner möglich; die harmlose Gutmüthigkeit, die durch Nachgiebigkeit der Gegner Streben förderte, mußte vor der bewußten Sicherheit der Ueberzeugung schwinden und es mußte geschieden werden. Man hätte nun glauben sollen, daß aus dieser Parteistellung ein einiges Zusammenwirken aller einzelnen Fractionen der Rechten hervorgehen werde, daß alle zusammenhalten würden, welche sich zur Rechten, ebenso wie die welche sich zur Linken zählten, ohne zu untersuchen ob sie etwas mehr oder weniger rechts sich hielten. Mag es auch in religiösen Dingen, mehr noch wie in politischen schwer halten die Grenze der Linken und Rechten zu ziehen, wir meinen doch daß sich ein 7*