Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über die gegenwärtige Stellung der Parteien im Judenthume
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
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82 lieber die gegenwärtige Stellung Wie sieht es nun in dieser Beziehung auf dem Gebiete des Judenthums aus? Nach einem alten Sprichworte, dem Widerhall des uralten ״wie alle Völker das Haus Jehuda" (Ezechiel 23, 8) wird man von selbst eine ähnliche Erscheinung auch hier erwarten: man tauscht sich nicht. — Behalten wir die so anschaulichen Bezeichnungen bei, welche, geistige, schwer zu definirende Begriffsverschiedenheiten an räumliche Unterschiede knüpfen, so sehen wir die Linke und Rechte immer schroffer auseinandertreten — die Mitte immer mehr Raum verlieren, immer weniger in den öffentlichen Organen, in den Aussprüchen der Tonangeber vortreten. Die äußerste Linke, die fast nur durch die Negation jedes andern Glaubens noch zum Judenthume gehört, fast nur dem Namen nach noch Jude ist, spricht mit unglaublicher Zuversicht sich die Zukunft, den Sieg zu. Sie will von Vermittlung nichts wissen; ja sie ist gegen die Mitte noch unduldsamer als gegen die äußerste Rechte und wiederholt so auf religiösem Gebiete das widrige Schauspiel einer Coalition zwischen den Radicalen und den Ultra's. — Und die Rechte? Mit ihr haben wir es zunächst zu thun ׳— in diesen Blättern zumal die dem Bestehenden, dem rechtgläubigen Judenthume gewidmet sind und die Sache Israels im Sinne der Vergangenheit und der Zukunft zu vertreten sich zur Aufgabe gestellt. Darum gilt ihr vor Allem ein ernstes Wort der Mahnung. , Es hat eine Zeit gegeben, wo fast jeder Jude der öffentlich die Feder führte, zumal wenn er in deutscher Zunge redete, mit Israels Glauben, wie er durch die Jahrtausende sich gestaltet, in offner oder versteckter Fehde lebte; eine Zeit wo nur der Angriff, aber niemals die Abwehr sich öffentlich vernehmen ließ; wo die Neuerungssucht, die Reformlust allein allen V erstand, alle Bildung, alles Wissen für sich in Beschlag genommen zu haben schien. Wo hätte man da ein Wort des Trostes, ein vernünftiges Wort der Vertheidigung vernommen? Wie hätte man La eine Dauer des rabbinischen Judenthums, ein Fortbestehen des Alten erwarten sollen? Allmächtig schien der Rationalismus auf anderen Gebieten; allmächtiger noch auf dem des Judenthums. Man braucht nur die Schriften David Friedländer's, und seiner Zeitgenossen und nächsten Nachfolger zu lesen, den triumphirenden Ton der Sicherheit zu vernehmen, mit dem sie für die allernächste Zeit, für die nächste Generation