Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Rede bei der am 28. Januar 1855 stattgehabten Gedächtnisfeier am jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 9)
- Language
- German
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am jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau. 53 finden, die in dem Aufwärtsstreben und der Erweiterung unserer Erkenntnisse einen göttlichen Geist erkennen läßt. Und ist dieser Weg angebahnt, dann treten sie einst sicher in die Welt, verfolgen mit Glanbenstreue das ihnen Vorgesetzte Ziel. Der Selbstvergötterung, der dem wahren Wesen der Wissenschast fremden Selbstüberhebung werden sie fest entgegentreten, sie hat nicht Gewalt über sie; was in der Wissenschaft erhebend und erleuchtend, findet auf der Unterlage des Glaubens Aufnähme. — Der Glaube lehrt ferner: Treue dem Landesherrn, Treue dem Vaterlande; und dieser Geist werde in der Anstalt gepflegt, daß die einstigen Vertreter diese Lehren des Glaubens verkündigen, befestigt in solcher Treue sie deren eifrige Träger werden. Gestatten Sie mir nun auch manches Andere zu erwähnen. Eingedenk, daß das Princip der Milde und der Humanität im Glauben begründet ist, will die Anstalt auch nach dieser Richtung wirken, Es ist den Zöglingen des Seminars unentgeltlicher Unterricht in allen Lehrgegenständen zugesichert; aber diese sind, wie schon der Einblick in das früher ausgegebene Programm zeigt, so mannigfach und anstrengend, daß die ganze Thätigkeit des jungen Hörers von ihnen in Anspruch genommen wird. Dem unbemittelten Hörer wird also schwer Quellen für sein materielles Fortkommen auszufinden: ihm ist die Zeit das einzige Kapital, und er kann von ihm so wenig missen! Das Seminar hat sich daher zur Aufgabe gestellt, den Bedürfnissen der unbemittelten Hörer nach Kräften abzuhelfen. Es sind ihnen aus den Mitteln der Anstalt Freitische geboten, die seit der Zeit der Eröffnung in bedeutender Anzahl ertheilt wurden. Auch war das Institut darauf bedacht, ihnen auch in anderen Bedürfnissen beizustehen; und es wird nun damit umgegangen, den hervorragenderen Zöglingen Obdach in der Anstalt zu gewähren. Im Geiste des Stifters sollen ferner an der jedesmaligen jährlichen Gedachtnißfeier vier Stipendien zu je 50 Thalern an vier hierorts angehörige Seminaristen vertheilt werden, und finden sich nicht an der Anstalt vier Breslauer, so soll der verbleibende Ueberschuß an sonstige fleißige und würdige Hörer überwiesen werden. Im Geiste und zum Andenken des Verblichenen wurde nun dem Seminaristen N. S., einem Breslauer, ein Stipendium zuerkannt. Der andern drei Sti-