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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1855-01-01 · Heft 2 · p. Seite 49

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 2
Article
Rede bei der am 28. Januar 1855 stattgehabten Gedächtnisfeier am jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau
Date
1855-01-01
Page
Seite 49 (sequence 5)
Language
German
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am jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau. 49 sie nach ihrem Wesen pflegende und schützende Anstalt: dieses Institut soll die tiefgefühlte Lücke ausfüllen, seine hohe und wichtige Aufgabe ist, eine Pflanzstätte des jüdischen Glaubens und dessen Wissenschaft zu werden. Und dieser Glaube und diese Wissenschaft? Er ist's, der das im Menschen gebundene Göttliche von seinen Fesseln erlöste und es in seiner Objektivität dem Menschen zuführte, er hat die dunkle aufwärtsstrebende Ahnung, aber weil dunkel darum bald von den tiefsten Jrrthümern׳ umschattet, zur klaren hellleuchtenden Anschauung, zum erhebenden lebendigen Bewußtsein gebracht. Den Menschen, im Ebenbilde Gottes erschaffen, trieb eine Ahnung zum Urbilde hin; aber er vermochte es nur durch sinnliche Begriffe zu vermitteln und nahm sich zum Urbild. Nicht durch die Eindrücke ihm wohlthuender und ihm schädlicher Naturkräfte wurde er zur Annahme von Gottheiten gütiger und bösartiger Natur bestimmt, sondern er bestimmte sich selbst, bestimmte sich seiner unbewußt durch einen dunkelgeahnten hohem Drang, den er von seinen inneren Anschauungen nicht abzulösen vermochte: seine Götter waren eine Apotheose seiner guten und bösen Eigenschaften. Und alsmanche Weise den Jrrthum dieser Selbstvergötterung in den Naturkräften gewahrten, einen Jrrthum, der in der hellenischen Welt nach der ästhetischen Seite, in der Hypostasirung des Schönen hervortrat, versuchten sie an die Stelle des sinnlichen Begriffes die Idee zu setzen und aus ihr die Gottheit zu erklären. Aber die Idee wollte nicht Realität erlangen, vermochte nicht aus dem Gebiete der Ideen herauszugehen und einen selbstständigen außerweltlichen Gott zu finden. Die Offenbarung am Sinai, sie stellte dem Menschen einen Gott gegenüber: dort lernte er das allem Erschaffenen, allen Begriffen, allem Denken vorangehende Urbild erkennen, einen Gott, nicht vom Menschen construirt, sondern der ihn und alle ihn umgebenden, von ihm erkannten und nichterkannten Wesen construirte. Dieses ist der Glaube Israels, der allmälig das Eigenthum der gebildeten Vblker der Erde wurde, dieses sein bis in die innersten Herzschlage, bis in die tiefsten Tiefen seines Fühlens und Denkens, bis in die verborgensten Triebfedern seines Sinnens und Ausführens es durchdringender Lebensäther. Sein Bewußtsein beginnt nicht mit dem Schluffe: ״ich denke, daher bin ich", sondern ״ich glaube, daher bin ich", ohne Gott kein Sinn, kein

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