Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Rede bei der am 28. Januar 1855 stattgehabten Gedächtnisfeier am jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
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48 Rede bei der Gedächtnisfeier ihm bei der Nachricht von seinem ins Leben Treten die Herzlichsten Wünsche entgegen; es gingen ihm sogar schon vor seinem Entstehen Zeichen der höchsten Huld und Aufmunterung voran. Se. Majestät der König hat in Seiner Gnade und Huld durch Allerhöchste Kabinetsordre vom 31. August 1847 dieser Anstalt Dasein und Bestehen gesichert. Und welche Förderung sand ferner der Beginn an der an jedem Werke der Veredelung und Hebung des Menschen so warmen und regen Theilnahme der Königl. Regierung! Und als die Kunde von dem wirklichen Zustandekommen sich verbreitete, da berührte sie elektrisch die Herzen Vieler, rief in auch dieser Confession nicht angehörenden Edeldenkenden ein freudiges Gefühl hervor. Denn in welchem Reflex sich das Göttliche darstellt, es wird von dem Edlen und Geläuterten als Göttliches erkannt; und wo je eine Leiter eine Gesammtheit aufwärts zum Himmel führt soll ihr nicht der Boden entzogen, soll sie nicht der Sprossen und Stufen beraubt werden, nicht soll ein Religionsgebäude in sich znsammenbrökkeln, zusammenfallen, Zusammenstürzen: durch die Ruinen und Trümmer und die Auflösung drohet dann ein Geist der Zerstörung alles Göttlichen, der Vernichtung alles Positiven, des Regierend alles Heiligen und Geheiligten einzuziehen, drohet mit seinem eisigen Hauche das Herz zu erstarren, aus ihm jede Lebenswärme zu verdrängen und einen für Alles, was sich über Irdisches und Materielles erhebt, stumpfen Jndifferentismus zu erzeugen. Auf welchem Wege der Mensch den Himmel sucht, im Suchen selbst liegt ein Aufwärtsstreben: sowie in der Auflösung, im Verfalle, in der Gleichgültigkeit, in dem gedankenlosen Dareinschauen ein Abfall von dem Göttlichen im Menschen, eine Untreue an seiner höhern Bestimmung, ein unwürdiges Aufgeben seines eigentlichen Ich hervortritt. Und wenn solcher Anblick schon bei dem Einzelnen den Sinn des Denkenden und Göttliches in jedem Menschen Erkennenden mit Betrübniß erfüllt, wie tieferschütternd ist da selbst der Gedanke, daß vielleicht, und sei es auch in ferner Zeit und in späten Tagen, bei einer Confession, bei einer um ein Bekenntniß sich reihenden Gesammtheit ein derartiges Bild der Zerstörung hervortreten könnte! Es gebrach in den letzten Jahren in Deutschland an Pflanzschulen, wo einstige Träger und Vertreter des mosaischen Glaubens sich Heranbilden, die jüdische Theologie fand nirgends eine ihr besonders geweihte Stätte, eine