Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Rede bei der am 28. Januar 1855 stattgehabten Gedächtnisfeier am jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829178-2829181-2853546--02111-2853564- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
am jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau. 47 und befruchtet die entferntesten Räume: die Anstalt, die als Werkstätte des Geistes errichtet, sie gehört dem Allgemeinen an, hat nicht Ausschließliches und Beschränkendes, und der Wille sie zu errichten geht aus einer Hähern Anschauung, aus einer universellen Auffassung hervor. Und wird vollends durch sie dem Geiste und dem Gemüthe zugleich Rechnung getragen, findet in Ihm was des Geistes, und Gemüthes Ausströmung Höchstes und. Edelstes, die Religion und ihre Wissenschaft, eine Statte, welch ein Zeugniß eines ein höheres Ziel Erkennenden und ihm Zustrebenden! Es sprechen, mehrere für diese Stadt errichtete Anstalten davon, daß ihr Stifter fühlte: es spricht diesefür Allgemeines, für dennach allen Lheilen der bewohnten Erde verbreiteten Glauben errichtete Anstalt davon, daß im Stifter ein Bewußtsein waltete, zu dessen Höhe sich nur Wenige erheben! Das Seminar wurde am 10 August v. I. im stillen Kreise der Testamentsvollstrecker, der Lehrer und der sich angemeldeten Zöglinge eröffnet. Es. wollte im Bewußtsein seiner schweren, nur im Vertrauen, aus Gott zu lösenden Aufgabe nicht sogleich bei seinem Beginne in die Oeffentlichkeit treten. ' Es erkannte daß es den Faden seiner Entwickelung aus sich selbst ziehen müsse: ohne ein ausreichendes Vorbild, ohne ein Muster auf das es sein Auge richten, auf das es den Blick heften, in dem es einen Führer und Leitfaden durch die vielfach verschlungenen Gänge finden könnte, mußte es mit einer, allein durch die Göttlichkeit und Unabweisbarkeit des Unternehmens gerechtfertigten Zuversicht beginnen, war nur die Hoffnung sein Hali, ■ daß der ernste begeisterte Wille über sich erhebende, oft nicht geahnte Hindernisse den Sieg davon tragen werde. Ein Anlauf ist nun genommen, ein kleiner Beginn gemacht: die ersten Schwierigkeiten des Organisirens find beseitigt; so möge die heutige Feier auch das erste öffentliche Hervortreten bezeichnen, möge bemerkt, werden als die feierliche, durch die Gegenwart einer hochgestellten und verehrten Versammlung gehobene Eröffnung: und woran könnte sie würdiger angeknüpft werden als an die Gedächtnißfeier des Mannes, der der Anstalt Entstehen gab? Gestatten Sie mir nun, hochzuverehrende Anwesende! mit einigen Worten das Wesen dieses Instituts und das Eigentliche der Ausgabe, die es sich gesetzt, zu berühren. Es kamen 4*