Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Rede bei der am 28. Januar 1855 stattgehabten Gedächtnisfeier am jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
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46 Rede bei der Gedächtnißfeier daselbst Versenkten: und wird nicht auch unsere Zeit dem Manne Hochachtung zollen, aus dessen Grabe solche Pflanzen hervorbreche», aus dessen Asche sich der Genius des Glaubens und der Liebe erhebt, an dessen Tode, dem Zeichen irdischen Auf- Hörens und der ausgelöschten LebenssaÄel, sich in geistigem Proteste neues Leben entzündet und frische Lichtströmung nach mehreren Richtungen entsendet? Es soll zuweilen Marmor und hohes Gestein der Alles vernichtenden, ihre eigenen Geburten verschlingenden Zeit manche Beute abjagen, soll einen Namen dem Strome der Vergangenheit entreißen: am Grabe der Frommen.bedarf es, nach einem.' Spruch: der Weisen, nicht der Denkzeichen und Denkmäler, ,was-.׳Ke hinterlassen, was sie. errichteten ist ihr eigentliches Denkmal; und nicht bedarf es des Besuches der Stätte wo ihre irdischen Ueberreste ruhen, um an sie erinnert zu werden: was Funke aus dem Funken des Lebens, was geistig im Gebiete des Geistes erfaßt, leuchtet weit an.dem Horizont der,Zeit und gräbt sich mit unvergänglichen Zügen in ihren Schoos eins Hinterlassene großartige Stiftun gen und Manifestationen der festen Ahnung, der. innern Ueberzeugung unserer Unsterblichkeit, des Fortlebens in einem höhern Lichte, das noch herüber in das Diesseits Licht ausstrahlen will, Und diese Manifestationen sprechen sich zumeist in Werken des Gemüthes aus: das Gemüth, seiner Regungen sich, mehr oder minder klar hewüßt,,ist der Sitz der Wärme, der' Empfänglichkeit,' des Mitgefühls; sein nächster Erguß daher die Aeüßerung dieses Mitgefühls in Abhülfe menschlicher Leiden und Schmerzen, in Verminderung irdischen Elends und destraurigen Heeres der Mühseligkeiten, die das Loos des Erdensohns. Aber so wie das Gemüth für sein tiefes unerschöpfliches Leben nicht entsprechende Worte findet, so gebricht- .es häufig seinem weiten eine Welt umfassenden Willen an entsprechenden Thaten. Wie weit reicht Ge Kraft der Aushülfe? Sie ist gewöhnlich auf die durch das engere Bänd der Gemeinde, der Städt 'begrenzte 'Desellfcha.fi:,beschrankt: es werden Stätten zur Aufnahme für-Kranke, Anstalten für Verlassene und Verwaiste und zur Minderung sonstigen Elends - errichtet: das Innige, Gefühlvolle waltet vor, aber es vermag nicht die durch die menschliche Unzulänglichkeit gesetzten Grenzen zu überschreiten. Nur was im Gebiete des Geistigen erzeugt ist kennt' nicht Grenze und Schranken, es verbreitet sich hinaus und durchziehet