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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1854-01-01 · Heft 11 · p. Seite 435

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
3 (1854)
Issue
Heft 11
Article
Notizen.
Date
1854-01-01
Page
Seite 435 (sequence 3)
Language
German
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Notizen. 435 Die ®eMufcc, welelw mau jetzt in Niniveh auSgegraben, scheinen die Eigenschaften von Palast und Tempel vereinigt und zugleich zur Feier religiöser lveremonien gedintt \\\ da den, indem der König zugleich Oderpriester war. (>s lag gewöhnlich diesen Palästen^ derj<-loe, durch die Sitten des Landes und durch die Tradition geheiligte Plan zu Grunde. Sie bestanden fast immer aus obloiuzen Zimmern, parallel mit einander laufend und entweder nach der Terajse führend oder grnppirt um große runde Hallen oder Höfe, welche dem Sonnenlichte offen standen. Fergusson bat die Wahrscheinlichkeit, nachgewicsen, daß diese großen Gebäude, nach orientalischer Sitte, in zwei abesondcne Abtbeitun gen, die eine, die Zimmer für die Männer und die religiösen (5eremonien, die andere, die Weibergemachcr enthaltend, getbeilt gewesen seien. Treten w.'r nun nach diesen Vorbemerkungen in den Ninivebbof selbst ein, so muffen wir gestehen, daß diese Nachbildung ganz so ist, wie wir uns diese mit grellen Farben und grotesken Ornamenten überladcnen Prunkpaläste der assyrischen Eroberer, nach den Darstellungen der Propheten immer geträumt haben. .Diese barbarisch mit Kapitalen überladenen und mit grellen, primären Farben gemalten Säulen konnten wohl das Gefühl des griechischen Weibes beleidigen, was Alexander den Großen peranlaßte, den Palast von Persepolis in trunfeuern Siegerrausche in Brand zu stecken. Der Ninivehhof liegt im Nord-Westwinkel des Palastes, br ist 12(» Fuß lang und l',3 Fuß tief. Das innere Arrangement ist willkürlich, und entspricht keinem der assyrischen Paläste. Der Hof bestebt ans zwei besondern Zimmern. Die Hauptballe ist mit (sopieen der im britischen Museum befindlichen assnrischen Skulpturen aus dem Nord- Wcstpalast von Nimrud gescbmüclt. Diese Halle gibt einen Begriff von der Beschaffenheit der großen Säle der assuriftben Paläste, die Proportionen der Größe der Hallen sind beibebalten, die zwei kleineren Hallen sollen mit Originalskulpturcu, welche die Gesellschaft augekauft bat und die noch auf der Reise sind, und mit (sopieen einiger neu angebrachten Basreliefs geschmückt werden. Abgesehen vom willkürlichen Arrangement, ist so ziemlich alles übrige — äußere Form, Basreliefs und Fresken der innern Gemächer und monumentale Verzierungen der Fa<׳.adcn — historisch treu. Zunächst ziehen die zwei geflügelten Stiere mit Menschenköpfen, welche den Haupteingang zu der größeren Halle bilden, unsere Aufmerksamkeit auf sich. Sie glotzen uns mit ibren dunkelroth gefärbter orientalischen Köpfen mit krausem, schwarzem Wollhaar und den bekannten, woblgepflegten assyrischen Bärten, gar wunderlich und räthselhaft an. Aber sie tragen ihren Sinn, ihre Seele im Leibe, gleich allen monumentalen Resten dieser altorienlalischen Architekturen. Sie stellen die Weisheit, Kraft und Allgegenwart im Könige dar, die erstgenannte Eigenschaft vermöge des 'Menscheukopfes, die beiden letzteren durch den Bullenleib unb die Dogetschwingen. Neben ihnen beffnden sich zwei eben so grell gemalte, aber trotz ihrer übermenschlichen Größe gar komisch dreinschauende Menschenfiguren, mit jübischer Physiognomie, je einem iungen, erbärmlich schreienden Löwen in der einen und eine röche Peitsche in der andern Hand haltend. Man 33*

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