Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Briefe aus Berlin
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 380 (sequence 4)
- Language
- German
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380 Briefe aus Berlin. der auch nur Halbbemittelte, seine Minder diesem Stalle auzuvertrauen, sie war daber zu einer Armeusckule berabgesuuten, aber immer waren es übev 100 ^äuller, die systematisch der Geistes- und Gemüt bsver- Milderung alljubrlicb zngefübrt wurden, und die ot׳ne Schule iw der <>ulturatmospbäre. Berlins bei weiten! besser gediehen waren. Für den bebräisebeu und Oteligionsnuterricht der jüdischen Jugend, welche in Simultanschulen oder hi Gymnasien erzogen wurde, war gar nicht gesorgt, und die Gereebtigteit gebietet cs auszusyrechen, der orthodoxe Tbeil der Gemeinde trug die Schuld davon. Gin febr frommes Mitglied der (Gemeinde stellte für das Schädliche einer Äieligionöschule folgendes subtile Dilemma auf: Die in der Neligion unterrichteten minder werden, berangewackseu, entweder irreligiös werden, wie die bltern, und dann ist cs Sünde, sie durch Belebrung zu absichtlichen Uebortrotem der Religionsgesetze zu machen, oder sie werden religiös bleiben, dann werden sie erst mit den Cyltovn in Oonflict geratl'en, was doch wobl auch uicht ratl'sam wäre. Diese Anecdote ist nicht erfunden, man kann diese oder äbnliche Sovbistereien noch beute von den Stochfrommen bören, eine llteligionsschule sei ein Nebel. Religiöse Vater mnstten sich daber begnügen, ihren .Bindern das Notbdürstigste vom Iudentbum grösttentbeils durch Marodeure des Bet-bamidrascb beibringeu zu lassen. So wuchs die junge Generation beran. Gö wäre vielleicht die Aufgabe der Talmud - Tbora gewesen, da, wo die Gerneiude, der vielkövngc Proteus, als solebe verabsäumt batte, naebzuchelfeu; l^'avitaliei! von Legaten, ausdrücklich dazu bestimmt das jüdische Wissen zu fördern, standen ibr reichlich zur Disposition. Allein es ist eine eigene brschemuug, die man in jüdischen Mreifen beobachten kann: so freigebig und mildtbätig der Jude durchschnittlich ist, lvenn es aus der eigenen ttaffe gebt, so engberzig und geizig ist er, wenn er Fonds von Vermächtnissen verwenden soll. Die Verwalter von Legaten pflegen eine Art Nubm darein zu setzen, die anvertrauten Kapitalien durch Anhäufung von Zins aus Zins recht doch anwachsen zu lassen, uneiugedenk dcS Zweckes, wozu sie ursprünglich bestimmt waren. Der Talmud-Tbora-Vorstand fasite d!e Ausgabe derselben eng genug ans, und gewäbrte nur den Gemeindeschulen einige Unterstützung, wodurch eigentlich nicht die Tbora oder das religiöse Prineip, sondern lediglich die Tasche der Kontribuenten einen Nutzen zog. Denn das wird doch wohl Pflicht der Gemeinde sein, wenn einmal eine specifisch indische Schule bestehen soll, sie aus der Gemeindekasse zu bestreiten, und nur etwa da, wo die Gcmcindemittel nicht cursreicheu. hätten die Talmud- Thora-Fonds Unterstützung zu gewähren. Nur ciumal raffte sich der