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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1854-01-01 · Heft 10 · p. Seite 379

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
3 (1854)
Issue
Heft 10
Article
Briefe aus Berlin
Date
1854-01-01
Page
Seite 379 (sequence 3)
Language
German
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Briefe anö Berlin. 379 der Jndenfeindlicbkeit überantwortet, andrer Gebrechen nickck zu Zedenten. Die Hanptsvnagoge in der Heidenreutergasse übt ivegen il׳rer seblc<bten Page, ibres unfreundlichen unäsibetiseben XUutffol'cntf, ibrer nnsebömn imicnt Ginrichtnng keine große Auziehuttgskraflk auf das verwöhne Berliner Publiknn! ans, und wie sebr auch die Kanzel von dem volltonenden in die schönste Form gegossenen Gottesworte wiederballte, סן tonnten die Räume, welche zu der sclnvnng reichen Predigt in einem grellen Kontraste standen und noeb sieben, nur entzaubernd und ernüchternd wirten. Man darf sieb nicht von den gefüllten Raumen bei den Predigten täuschen lassen, das begeisternde Wort von der Kanzel ist dieser Menge größtentbeils wie der Propbet es so treffend ausdrückt: ״ein liebliches pied von klangvollem Organ vorgetragen, sie hört das Wort, übt es aber nicht aus/' Man siebt es der Synagoge an, das? deren Besucher keine 'Befriedigung mebr an der alten Naivität haben, aber doch auch niebt Herz genug, das Veraltete und Verkommene durch Rnspreebendes und Geschmackvolles zu ersehen. Das Almemar z. B. bat seinen alten Plan ans der Mitte der Synagoge bereits verlassen, aber es wagt es nicht, sie.» mit dem Betynlte in eins zu verschmelzen. Der h'boralgesaug wird noch oft genug von dem polnischen Triller aus chic störende Weise verunziert. Das gedankenlose Mi-Scheberach-Sagen ist nicht eassirt, wird aber nicht laut ansposanut, sondern leise, fast unter der Nase bingemurmelt. ')!eben der Hanptsynagogc wuchern noch eine Menge Winkelschulen mit der ganzen Bebaglicbkeit liebgewordener Unordnung und mit dein ganzen Wust beiliger Unarten fort. Da sollen sich die (Glieder der Berliner (Gemeinde Sinn und Begeisterung für das Indent bum holen! Die hiemeindesebulen, namentlich die Knabenschule, wofür die Genieindekasse alljährlich über 2ÜOO Tbaler und die Talmnd-Tbora mehrere hundert Thalcr aus gab, war bis vor wenigen Jahren ganz dazu geschaffen, eine Jugend eher verkümmern zu lassen alls zu erziehen. Trotz der alljährlichen pomphaften Prüfungen und der öfter wiederholten Revisionen war sie in einen solchen Grad von Verkümmerung und Verdumpsung gerathen, daß man sich sogar schämte, sie irgend wie der Aufmerksamkeit auszusetzen, wie man eine garstige Wunde aus Schamgesühl auch den Blicken des Arztes zu verborgen sucht. Wer die Schwelle dieser Schule betrat, glaubte sich mit einemmale in's achtzehnte Jahrhundert oder in• ein uncivilisirteS Vanfc versetzt, wo das Mauscheln noch nicht überwunden ist. Ja, diese Schule war ganz geeignet, die Gemeinde der.Intelligenz ob ihrer Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit mit Schamröthe zu bedecken. Allerdings hütete sich

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