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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1854-01-01 · Heft 10 · p. Seite 378

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
3 (1854)
Issue
Heft 10
Article
Briefe aus Berlin
Date
1854-01-01
Page
Seite 378 (sequence 2)
Language
German
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378 Briefe auS Berlin. zuziOchreibeu ist, daß diese ans sc> widerstreitenden Elementen bestehende Körperschaft sich so lange halten tonnte. Mchic Gemeinde in Deutschland, vielleicht mit alleiniger Aufnahme der Hamburger, war in ihvit Institutionen so sebr verwahrlost und verkümmert, wie die größte und reichste Preußens. Man vergegenwärtige sich nur folgende Thatsacken. lnne t^emeinde von mebr als 10,000 Seelen, mit angehänften O'apitalien und liegenden (Gründen, welche ein Budget von nah an £0,000 Tldr. jährlich ausbringt — fast so viel wie einer der deutschen Duodc^staaten — welche aber über noch mebr Owisteskapital zu verfügen bat, besaß in den vierziger fahren lwie zum Tbeil noch jetzt) fast leine Synagoge, keine Neiigionsschule, eine nur erbärmliche l^emeindeschnle, eine Talmud-Thora-Anstalt mit reichen Legaten, welche ihrem Begriffe weder im alten noch im modernen Sinne entsprach, einen verrückten Wahlmodus, iveleher den blinden Zufall zum Disponenten über die heiligsten Interessen setzte, und so herab bis aus die kleinsten (Gemeindeinstitute, die man in den winzigsten idemeinden nickt schlechter antreffen konnte. Diese Uebelstände wirkten progressiv ans einander, daß es erst innerer und äußerer heilsamen Krisen bedurfte, che sie nach und nack abgestellt werden konnten. — Der WahlmotuS znm Beispiel, eine Mißgeburt des Mittelalters, trug noch ganz das (Gepräge eines naiven Urzustandes an sich. Nack einem alten Statut, das iui Jahre 1750 im 0>eneral-Iudeu-Neglemeut die staatliche Sanetion erhielt, waren die beitragsfähigen ldemeindeglieder iw £ MLafKii gesondert, deren Namen in den Loostopf geworfen und daraus gezogen wurden, und die geloosten Personen waren die Wähler des Vorstandes, deren Benennung K eschen m oster eben so passend war, wie iucus a nou lue endo. Nock mehr, sie mußten sich sofort, wie ihnen das Resultat des aus sie gefallenen Looses kund geworden war, ins Ohmieindeziminer 311111 Wabloct begeben, und dursten wie ein (>ardinaleonelave nickt eher auSeinan- Vergehen, als bis die Wabl vollzogen war. Man erzählt sich drollige Anekdoten von den Folgen dieses WahlmoduS. Die Wahlberechtigten pflegten sich am Wahltage zu Hanse zu halten, um der frohen Botschaft gewärtig zu sein, welche der Oiemeindebote oft in später Nacht mit der .Laterne in der Hand üherbrachte. (5ine gemeinsame Berathung über eine würdige Vertretung der Owmeindeinteresscn war durch eine solche Wahl von vorne herein abgeschnitten, und eS setzte sich ein Brauch fest, stets nur Patriciersamilien zu ^ahl's Tisch Zuzulassen, wodurch die Äemcindcfinanzcir allerdings in sehr guten Händen waren, auch die WohlthätigleitSaustalten auf's Beste gewahrt wurden, aber die religiösen Interessen wurden auf diese Weise oster dem JndifferentiömuS, zuweilen

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