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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1854-01-01 · Heft 9 · p. Seite 346

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
3 (1854)
Issue
Heft 9
Article
Briefe aus dem Orient
Date
1854-01-01
Page
Seite 346 (sequence 3)
Language
German
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346 Briefe au$ dem Orient. [tat, und 1 Lobrer werde id) von Frankreich zmn französischen Unterricht für Gnaden und Kindchen absenden. Den LI. d. M. hatte ich die Ebrr, in einer Privataudienz vom Sultan empfangen zu werden, der mich wahrhaft kaiserlich aufnahm uub von dem ich zuletzt den schon mit dem Groß-Bozier und Reschid Pascha früher verhandelten Ferman erhielt, der so lautet: ,,Tous lcs droits, Privileges, toutes los immunites, qui sont et qui scront dorenavant aecordes a une Cominunioii Ghreticnnc! quelconque, sont 1>ar la meine ac cord es aux Juifs; car le coeur paternel de sa Majeste Imperiale ne permettra jamais, que la moindre diffcrcnce soit faite ontre les divers sujets non Musulmans.“ *) (0. Journal oil'. de Constantinople vom 24. August, sowie Nachrichten von den Schulen vom 10. August.) Der Sultan fügte noch die Worte hinzu: ״Mein Herz ist weit und umfasst alle Unterthanen, die meine Binder sind, mit gleicher Liebe." Ich musste ihm von Allem bis ins Einzelne erzählen, was ich in Jerusalem gestiftet, wobei er mich mit den Worten unterbrach: ״Wie gut bist Du für meine Unterthanen." Als ich ihm für die mir gestattete Einrichtung einer Koscher-Küchein der militär-medizinischen Schule zn Galata-Serai, für die dort befindlichen 17 jüdischen Zöglinge dankte, Lächelte er. Ich bat ihn nun, die Zahl derselben auf 40 zu dringen, was er mir sofort gewahrte. Als ich ihn ferner bat, die Eifrigsten auf 1 oder 2 Jahre auf Staatskosten nach Paris zu schicke«, wodurch ste der Armee nützlicher werden könuteu, zeigte er sich auch dazu bereit. Ich ersuchte nun um die Erlaubnisse die von den Nab- Einern beim Anblick gekrönter Häupter übliche Segensformel aussprechen zu dürfen, und citirte ihm dieselbe (״Gepriesen der Herr, der von seiner Herrlichkeit den sterblichen Königen mitgetheilt") wörtlich ui hebräischer, französischer und türkischer Sprache. Der Sultan ward zu Thranen gerührt, dankte Gott und äußerte beim Abschied (er stand fortwährend in den Kaisermantel gehüllt): ״Wenn Du wieder zurückkchrst, so wirst Du die Juden ln einem besseren Zustande finden." Ich hatte ihm nämlich gesagt, daß ich diese Anstalten von Zeit zu Zeit besuchen werde. Sein Secretär Fered Effendi wiederholte mir denselben Ausdruck, als 1) Alle Rechte, Privilegien und Immunitäten, die bereits früher gewährt, oder künftig irgend einer christlichen Konfession bewilligt werden, sind zugleich dm Juden zuge'standen; denn das väterliche Herz Sr. kaiferl. Majestät wird niemals zugeben, daß unter den verschiedenen nichtmuselmannischm Unterthanon der geringste Unterschied gemacht werde.

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