Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die Parallelen zu Schillers Bürgschaft, insbesondere in Beziehung auf eine jüdische, kritisch beleuchtet
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 8)
- Language
- German
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336 Die Parallelen zu Schiller'S Bürgschaft. zu Anfänge, erstaunte er gar sehr sannnt seinen Fürsten, befahl, Beiden das Schwert abzunehmen, vergab ihnen, besebenkte sie reichlich und sprach zu ihnen: da unter euch eine so innige Freundschaft herrscht, so nehmet mich als Dritten in eurenDBund. Von jenem Tage an blieben sie dein Könige innig befreundet. Und darum haben unsere Weisen gesegneten Andenkens gesagt': erwirb dir einen Freund. Aus welcher Zeit die'Handschrift herrührt, welche N. Menachcm vorlag, wissen wir eben so wenig wie was ans ihr geworden und ans dem Style, in welchem die hebräische Erzählung ab gefaßt ist, laßt sich eben nur wie bei den Gestis Romanorum erkennen, daß derselbe durchaus nicht elegant ist, keinesweges aber das Jahrhundert der Abfassung firiren. Ebensowenig wird sich mit Bestimurtbeit angeben lassen, welche der oben angeführten Quellen dem jüdischen Referenten Vorgelegen haben mag, wenngleich der Grund, aus welchem er die Frist begehrt, um nämlich seine Angelegenheiten daheim zu ordnen und für Weib und Kind zu sorgen, eine Bekanntschaft mit den Gestis Romanorum zu verrathen scheint, wo cs gleichfalls beißt: morem ei parvulos ac familiam habco, de eis nihil ordinavi nec de boriis mcis. Nur das Eine wird mit ziemlicher Gewißbeit behauptet werden dürfen, daß er aus Hyggin nicht geschöpft baben könne, indem seine DarstellungSweise von der des genannten Schriftstellers durchaus abweicht und des von diesem erwähnten Hindernisses bei N. Mmachem keine Erwähnung geschieht. Außerdem wird von diesem der Vorfall so erzählt, daß der verurtbeilte Freund ganz unschuldig erscheint, indem er von Sehnsucht, den lange Zeit nicht mehr gesehenen Freund einmal wiedcrzusehen, getrieben, denselben besuchen will und bei dieser Gelegenheit von dem Könige für einen Spion gehalten und zum Tode verurtheilt wird. Welche Quelle der jüdische Erzähler aber auch benutzt haben!nag ־— es ist jedenfalls interessant, die eigenthümliche DarstelLurrgSweise und die Abweichungen, die sich bei demselben finden, näher ins Auge zu fassen. Die ganze Ausdrucksweise, welche dem Kundigen gewiß bald als eine mit biblischen Phrasen reichlich dnrchflochtene erscheinen wird, findet ebensowohl wie der nur Ln der vorstehenden Quelle dem Freunde von dem Könige gemachte Vorwurf, daß er ein Kundschafter sei, in dem bibelfesten Referenten der Erzählung hinlängliche Erklärung, indem man in dem erwähnten Borwurfe leicht eine RenmnScenz an das 42. Kapitel der Genesis, wo Joseph auf dieselbe Weise seine Brüder hart angeht, erkennt. Bezeichnend aber für den Charakter der jüdischen Bearbeitung ist ebenso der nur bei ihr vorkommende Streit, welcher nach der Rückkehr des Freundes zwischen diesem und dem Bürgen dar-