Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die Parallelen zu Schillers Bürgschaft, insbesondere in Beziehung auf eine jüdische, kritisch beleuchtet
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Parallelen zu Schillert Bürgschaft. 333 Eine ihun wolltest, so würde ich Dir für immer verbunden sein. Ich habe ein Weib, Kinder und sonstige Familie und babe weder über sie noch über mein Vermögen etwas verfügt. Bleibe Du statt meiner \m Gefängnisse, bis ich nach Hanse gebe und meine Angelegenheiten ordne, dann kehre ich zurück und befreie Dich. Jener willigte ein, begab sich zum Richter, erwirkte bei diesem für seinen Freund einen Urlaub, wahrend dessen er in Gewahrsam bleibt und verspricht zugleich sterben zu wolLen, falls jener nicht wicderkebre. Der Richter willigte ein. Als der Tag aber, an welchem Gericht gehalt.n werden sollte, gekommen war, ohne daß der Freund sich gestellt hatte, ließ der Richter jenen an den Galgen führen und sagte zu ihm: wenn Du jetzt stirbst, so hast Du Dir, nicht mir die Schuld beizumessen. Jener aber erbat sich erst die lirKuibniß, dreimal laut rufen zu dürfen und nachdem dies geschehen war, gewahrte er einen Mann eiligen Laufes von ferne kommen, woraus er Zu dem Richter sagte: dies ist wahrscheinlich mein Freund, der mich beute befreien wird. Der Richter wartete und der Freund kam wirklich und erklärte,, er sei der, welcher nun seine Angelegenheiten geordnet batte, man möge den Freund freigeben, er wolle den Tod erleiden. Der Richter aber entgegnete ihm: sage mir, Theurer, warum ihr einander so tren seid? Jener erwiederte hierauf: m unserer Jugend haben wir uns schon das Wort gegeben, einander treu zu sein und deshalb hat jener für mich gehaftet, bis ich meine Angelegenheiten in Ordnung gebracht hatte. Da sprach der Richter: weil dies also sich verbätt, erlasse ich Dir den Tod, erhaltet nur auch mir eure Treue, bleibet de; mir und ich werde für alle eure Bedürfnisse sorgen. Jene versprachen dies, der Richter schenkte ihnen seine Gunst und Alle lobten den letzteren, weil er gegen jene so gnädig gewesen. Die Art und Weise, wie Schiller in seiner bekannten Ballade das Factum darsiellt, als bekannt voraussetzcnd, haben wir in dem Borsteheuden, sow-eit wir cs zu ermitteln vermocht haben, sammtliche Parallelen angeführt, in denen bei occidentalischen Schriftstellern des Altertbnms das Beispiel von der seltenen Treue erzählt wird, welche zwei Freunde sogar ihr Leben für einander einsetzen ließ. Doch nicht blos im Occidente hatte diese Erzählung eine weite Verbreitung gesunden, alllch Ln der Literatur des Orients ist sie wohl bekannt und wird sie unter Anderen von 9i. Menachem de Lonsano in seinen שהי י חות mitgetheilt. Da jedoch über dieses Werk ein besonderer Unstern waltete, indem der Verfasser desselben nicht nur von den beabsichtigten ״zwei Händen" d;'< eine, welche den Titel ד׳מי^ך T führen und noch ungedruckte Midraschim enthalten follte, aus Mangel an Unterstützung von