Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die gegenwärtige Lage der Juden in Palästina
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 4)
- Language
- German
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Die gegenwärtige Lage der Juden in Palästina. 287 Betet für das Wohl Jerusalems, denn die es lieben erwartet Heil. Zu Euch, die Ihr mehr begünstigt seid wenden Eure Brüder den Blick nach brüderlicher Hülfe. Möge Eure Antwort eine Friedensverkünderin für Israel und Zion sein. Amen. Diesem Schreiben sind noch andere Briese aus Zefat, Tiberias und Hebron beigefügt, die ebenfalls die erschütterndsten Beschreibungen der an diesen Orten herrschenden Hungersnot!) enthalten. Auch wird hier noch naher entwickelt, wie durch das in Rußland ergangene Berbot milder Gaben nach Palästina das Elend ungemein vermehrt wurde und wie, um dem harten Drucke zu entgehen, viele Inden sich nach Pa׳ lästina flüchten — und durch ihre Ankunft die Armnth noch vermehrt wird. Tief ergreifend sind folgende Worte aus Hebron: ״Wir hören, daß zu Jerusalem Lebensmittel von Nichtisraeliten vertheilt werden; aber sie knüpfen diese Wobltbaten an solche Bc- 'dingungeu, daß wir lieber die Alternative des Todes wählen." Der Oberrabbiner!>r. Adler erliest hierauf ein Rundschreiden an die Inden Großbritanniens, das wir hier im Auszuge mittheilen. Nur nach großer Ueberwindung wenden Nur uns, geliebte Brüder! für wohithätige Zwecke an Euch, da die gegenwärtige Zeit nach so vielen im vorigen Winter und später an (Sud; ergangenen dringenden Aufrufen, denen Ihr mit vieler Freigebigkeit nachgckommen seid, am wenigsten hierzu geeignet scheint. Doch unabweisbare Rücksichten legen uns die Verpflichtung auf, Euch iu einer dringenden höchst wichtigen Angelegenheit auzugehen. Authentische an uns gelangte Dm'umente lassen auch nicht den leisesten Zweifel darüber, daß die gegenwärtige Lage unserer in den vier Städten Jerusalem, Zesat, Hebron und TiberiaS zcrstreueten Brüder herzzerreißend ist. Die Erndte ist voriges Jahr ganz mißratbcn und so hat sich der Preis aller Lebensbedürfnisse zn einer unerhörten Höhe erhoben; und hierzu haben der gegenwärtige Krieg, die politischen Wirren, die Abnahme der gewöhnlichen Hülstquellen, ans die sich die Armen hingewiesen sahen, und zumeist das Ausbleiben der aus Rußland kommenden Unterstützungen eine schreckliche Noth hervorgebracht, die durch ein Heer von Krankheiten vermehrt wurde. Viele israelitische Bewohner des heiligen Landes sind eine Beute des Hungers geworden, und es werden noch viele andere dem-