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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1854-01-01 · Heft 7 · p. Seite 271

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
3 (1854)
Issue
Heft 7
Article
Briefe aus Berlin
Date
1854-01-01
Page
Seite 271 (sequence 4)
Language
German
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Briefe aus Berlin. 27t Sticht Wenige haben, durch diesen Schein geblendet, die Synagoge mit der Kirche vertauscht, darunter bekanntlich die geistvolle Sebriftsteiler:,: Rachel und eine Tochter Moses Meudel.solms, und diejenigen, welche eine gewisse Scheu vor diesen: Schritt zurückbielk, ließen tluc Binder über das Taufbecken halten, damit diese :venigstens Karriere machen konnten. Noch jetzt leben einige solche antedilnvianische Neste aus jener Zeit, größteutheils aus alter: Damen bestehend, an ihrer Borliebe für französische Vueratuv kenntlich, denen, obwobl sie das Bekenntnis nicht gewechselt haben, das Judentbum doch ein Greuel ist, und die jede Berübrung nüt deniselben scheuen. Wir werden später die Ursache kennen lernen, durch welche diese Mlaffc in den fei üblicher Juden hier so sehr abgenomnien hat, daß sie fast nur noch eine Raritat, gewissermaßen eine Berstei,:ernng vergangener Formationen bilden. Zunächst wirkten die (Linaneipations- und Neforulbestrebungen auflosend auf diese tbeilö rationalistische, theils christcanisireude Haltung.. Die Niederlage Napoleons bei Waterloo und die siegreiche Restauration war auch für das religiöse-Verhalten der Hervorragenden Persönlichkeiten der berliner Gemeinde ein Wendepunkt, und bewirkte eine Art Umkebr. Die durch jene welthistorischen Borgänge herbeigeführte Reackion in der Politik, wie in der religiösen Anschauung in (5'uropa und namentlich in Deutschland, die so weit ging, ein königliches Bersprechen für die lNeichstellung der Juden rückgängig zu machen, und die-Juden aus zwei hansearischen sogenannten Freistätten z:: vertreiben, brachte die Einsichtsvollen unter den Inden Berlins zur Besinnung. Allerdings gaben Manche der Verlockung nach, um äußerlicher h'bre und einer *variiere willen die ccciesia pressa zu verlassen und sich der ccciesia niilitans. anzu sch ließen. Aber viele verdienstvolle Männer, welche die Absicht durchschauten, daß man sie aus diesen: Wege hiniiberzieben wollte, fühlten sich in ihrem Innersten, in ihrem Ehrgefühle bei dieser Zumurhung verletzt, ui:d empfanden eine Anhänglichkeit gerade für das, was ihnen vorher so sehr verächtlich .schien. Die Religiosität nab!n den Charakter des Patriotismus an. Mau sing an den: mit aller Machtfülle ausgerüsteten Feinde gegenüber für das geschmähte Indentbnm in die Schranken zu trete,:; man setzte eine Art Stolz darein, einen: Bekenntnis treu zu bleiben, ans dessen Demüthignng es abgesehen war. Man braucht nur an die Gesinnnngsstärke zweier hervorragender Männer Berlins hinzuweisen, auf den Baurath Sachs und den jüngstverstorbenen Major Burg, welche trotz vieler Kämpfe nicht nur in ihren: Bekennt,:iß beharrten, sondern auch den verachteten Namen Jude mit einem gewissen Stolze trugen. (Ls ist bekannt, daß der letztere sich

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