Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Briefe aus Berlin
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 3)
- Language
- German
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270 Briefe am? Berlin. mal* von ihnen fa.tfe: ״man tonne sie nicht zu Minjnn brauchen", so war der hiuflnfi dieser Mictmin^ aus den intelligenten Tbeil der Gemeinde voll weitgreifeilden Folgen. Friedlnnder war Stadtvath, galt als Nachfolger Mendelssohns, als das Hauvt der neuen Schule, wurde voll vl'ilofopl'ireildcn Polelt, welche dell snLt<> nmrtule von den Prämissell des Taimtlds bis zu den .^onseanenzen von Menu? ttvitif gemacht heilten, ausgesucht und als Orakel befragt׳, lvas Wunder, daß die Halhhildung fich ihn zum Muster nahm ( Iriedländcr bezeichnet die Sturmulld Drangpcriode der jildischen. '.)Inrtlanm^ die um so tiefer eindrang, als fie mit der voltairianischen O(elu\ioneftüvmevei der fratlhöfischen Ncvnhlit und denl pl'ilosopl'isihcn StriticismuS in Deutschlaitd zusaulmeutras, nnb 'Berlin wurde am nachhaItieften davo!l ergriffen, ho wurde Modeton, an allem Neligrösen zu zweifeln, ja über die Naivität zu spötteln, welche die Ueherkommnisse der Väter heilig achtote, rer eisige Haue!׳ des iHbfvrccheno und ס011־1זן\\\ו, we!el׳er in der jüdischen Welt Berlins öfter angctroffen wird, stammt ans jener Zeit. Diese Mich tum* erhielt durch die äußere hrscheinung, wie das Judenthinu damals all ft rat, immer mehr Zuwachs; dcltll mall fanu es nicht leugnen, daß die Neligiosität Zlt der Zeit —- allerdings durch die Unhill der Zelten -- Slarritatur gelvordell war. Das Indenthlim. verstand sicl> damals selbst זו och nicht, cS hatte fein Beivllßtfeill von der unelldlicl'en aullc loelthildender t^edant'en, die in feiner!,ehre liefen, es lvar nicht im 8־ tallde. sich selbst die Apologie Zll halten und den Spott seiner Werner auf die hrhärinticht'elt der Spötter zuruekzuschlendern. Die offiziellen Vertreter des Iudenthums in Berlin waren am wenigsten befähigt, dell Biß in seinem ganzen Umsall ge zu begreifen, geschweige deinl gar ihm zu steuern; die Alten auf dem Nahhinerstuhl oder hinter ihren Weehseltischen wußten nnr über dell einrcißenden Ungtauhcll Zll seufzen. Auch war ihr Schweigen noch das Beste, was sie thun tonnten; denn sobald sie irgend wie ihre Stnnnte erhoben, eomproluittirtell sie nur sieh unb die Sache, die sie vertreten wollten. Aus diesen Kactoren dem seichten geschwätzigeil Nationalismus auf der einen Seite, der stammelnden Ginsichtslostgteit und Unheholsenheit ans der andern — bildete fiel) der herrschende Weift der Berliner Indeuheit. Dazll trat noch die mattherzige Seutimentalttät, von der romantischen Literatur der Zeit genährt, welche sich in den Gedanken hiueinlcbtf, daß in dem h'hrisicuthnme alles Heil liege, das Iudenthum aber nur eine Vorstufe zu demselben gewesen, die jetzt weit weit übersprungen sei. Schleiermacher, der romantisireude Philosoph, predigte ja so schon!