Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 5)
- Language
- German
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SHeccnftotwn und Anzeigen. 163 Waö nun dm Inhalt des edirten Werkes betrifft, so schließe man mcht etwa aus dem Titel, als beschränke es fick aus Darstellung des Mikrokosmos, dessen Entwickeluugsgang im Iudentbume wir oben zu skizziren versuchten. Diese Anschaulmg ist dem Verfasser eigentlich nur Hebel zu weiteren Folgerungen. Die Quintessenz des Buches ist vielmehr folgende. ״Die höchste Pflicht des Menschen besteht darin Gott zu erkennen und seinen Willen zu vollziehen. Um durch wahrhafte Ueberzeugung hierzu zu gelangen ist vor Allein erforderlich, daß der Mensch sich selbst kenne und seine eigene Natur genau erforsche. Als Ergebuiß einer solchen Forschung stellt sich heraus, wie der Mensch in seinem Körper und dessen Theilen die gesannnte materielle Schöpfung und in seiner vernünftigen Seele die ganze geistige Welt repräseutire. Aus diesen Prämissen folgt die innere Notbwendigkeit des Menschen, zur Erkenntniß des absoluten Wesens — Gott — sich aufzuschwiugen, Gerechtigkeit zu üben, von Zuversicht beseelt zu sein 1111b in Demuth zu wandeln. Hierin liegt die Quelle aller Glückseligkeit, die der Fromme einst in einem reingeistigen Jenseits zu erwarten hat/' Diese Ansichten und Resultate werden aber nicht in der systematischen Weise vorgebracht und mit der Vollständigkeit durchgesührt, wie wir Solches in den Schriften Maimonidcs', Bachja beu Joseph's, Jehuda Ha-Levi's u. s. w. finden, sondern es ist hierbei ein eigner Gang beobachtet, der zwischen fragmentarischer und aussührlich-populairer Haltung gleichsam die Mitte einnimmt. Dem Verfasser war es nicht um Darlegung eines bestimmten philosophischen Systems und dessen Anwendung auf die geoffenbarte Religion zu thun, sondern er hatte mehr die reinpraktische Absicht, seine Zeitgenossen vom materiellen JndifferentiSmus, worin sie versunken zu sein schienen, zur geistigen Theilnahme an allem Höheren und Sittlichen herüberzuleiten. Daher ist er auch in mancher Beziehung Eklektiker. — Eharakteristisch ist in ihm die Verschmelzung des höchsten Nationalismus mit der naiv-innigsten Frömmigkeit. Glaube und Vernunftforschung, find bei ihm nicht nur keine zwei verschiedenen Größen, sondern er hat keine Ahnung, daß sie getrennt werden könnten. Er kennt nur ihre zwei gemeinsamen Feinde, den anthropomorphistischen Aberglauben und den materiellen Jndifferentismus, gegen die er mit harten Worten eifert. Dahingegen ist der wahrhaft Vernünftige nach ihm auch wahrhaft gläubig, denn die Erkenntniß führt zu Gott und seinen Geboten; der echt Fromme ist wahrhaft vernünftig, denn nur durch die höchste Vernunstthäligkeit konnte er zur wahren Frömmigkeit gelangen. Man steht daß in seiner Zeit jener unselige Kampf zwischen Glauben und Wissen, der bald