Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 3 (1854)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 2)
- Language
- German
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160 Neeensiouen und Anzeigen. Weise und unter eigentbümlichem Gepräge wieder ans Licht traten, fand jene Parallclisirung des Menschen mit dem Weltgebände und die höhere Potenzirung des l>rsteren lnannichsachen Ausdruck. Um anzndeuten daß der Mensch Raum und Zeit zugleich repräsentire und so gewissermaßen die ganze sichtbare Schöpfung in ibm sich coneentrire, wird gesagt ״daß die Körpertheile des Menschen aus Stoffen aller Himmelsgegenden zusammengesetzt seien und!etc Tagesstunde an seiner Bildung theilgenommen habe!" lSynhedr. 38, b. u. Pirke N. Elies. c.!1.) Ueber die ethische Bedeutsamkeit der Lage und Formation einzelner Glieder vergleiche man Grachin lob.; die Flüssigkeiten im menschlichen Körper werden mit denen irn Weltgebäude parallelisirt Banndb. rab. c. 18. u. Tanchuma Nuln. 19. — Die Idee, daß das Weltall oder die (irde den menschlichen Körper im Großen darstelle iMakrokosmos) wird durchgefiibrt Niidrasch Koheleth zu i, 4, Wie der Mensch so habe die Grde einen Kopf, Augen, Ohren und einen Mund, sie esse, trinke und speie aus, habe Hände, Hüsten, Nabel und Schamglied, habe Füße und stehe; doch wird Alles dies nicht etwa durch Aehulichkeit d.er Formen motivirt, sondern darill gefunden, daß nach der biblisch-nietapborischen Ausdrucksweise manche tellnrische Fnnc- Lionen und Einrichtungen im Universum so bezeichnet werden, als wären es rnenschliche Organe und Verrichtungen. ■— Während nun bereits Philo {de ׳plantat Noe, cd Fr. p. 218.) den eigentlichen MikrokosmoS, oder daß die einzelnen Theile und Sinneswerkzeuge des Menschen mit den Pflanzungen im Wcltgebäude zu vergleichen seien, in Bibelversen (Ps. 94, 9) zu begründen suchte, wird hingegen diese Anschauung ansführlich dargcstellt und, ohne Anlehnung an die Bibel, bei 31 menschlichen Gliedern u. s. w. specicll nachgewiesen in Abot d. N. Nathan c. 31. — Die Ausführung der C'inzelnheiten in der zilletztgedachten Beraita erinnert mannigfach an die platonische Aufsassuug (Tim. l. c.). Wie bei Plato ״der Kops das Göttlichste in uns und der Beherrscher von Allem in uns ist", so beißt eS z. B. auch in Abot d. 9k. Nathan, daß, ״wie der König im Weltall so ist der König im Menschen sein Kopf." (Afulai, Komm. z. Dt., findet darin auch wirklich einigen Anstoß, da nach Salomo die Weisheit de- Menschen vielmehr im Herzen ruhe.) — Könnte man jedoch etwa die erwähnten midraschisch-talmudischen Darstellungen nur als Ausflüsse der Phantasie betrachten, als Versuche die Aebnlickkcit des mellschlichen Organismus mit dem Bau des Universums in spielenden Gleichnissen auszumalen, so nimmt hingegen der Mikrokosmos im Buche Jezira (IV, 4. V, 2. VI, 1. 2. u. s. w).