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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 12 · p. 467

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 12
Article
Briefe aus Mähren
Date
1853-01-01
Page
467 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Briefe aus Mähren. 467 es in Mähren sogenannte ״Trivialschulen", wo die deutschen Elementargegenstände und Religion nach dem verrufenen ״Bne-Zion" gelehrt wurden. Bibel, hebräische Sprache, Talmud blieben dem Belieben des Familien- Vaters überlassen. Nun hatten die mährischen Familienvater allerdings Liebe genug zum Judenthum, um ihre Kinder auch in den bezeichnten Gegenständen unterrichten zu lassen, und Einsicht, um zu begreifen, daß für den Israeliten eine bloße trockene, systematisirte Morallehre und etwas biblische Geschichte nicht ausreichen. Es entstanden daher bereits früher hebräische Schulen in Proßnitz, Gaya u. a. die heute noch unter trefflicher Leitung tüchtiger Directoren stehen. Ja, viele Rabbiner versammelten noch junge Leute um sich und unterrichteten sie in dem hohem Talmudstudium. 'Allein im Laufe der letzten Jahre (rat eine Lässigkeit und Schlaffheit ein, indem man auf alle andern Bildungselemente nur nicht auf jüdisches Wissen einen besondern Werth legte, eine Krankheit, die in Oesterreich überhaupt seit den letzten Jahren sehr grassirt. Jener Ehrenmann nun erklärte seiner Gemeinde in einer Derascha, daß er sie verlassen müsse, im Falle sie nicht eine hebräische Schule einrichte; und damit sie sthe wie sehr ihm diese wichtige Sache am Herzen liege, wolle er einen Theil seines Gehaltes zur Erhaltung der Schute geben und selbst einige Stunden des Tages Talmud unterrichten. ״Worte die aus dem Herzen kommen, dringen auch in's Herz.'" In kurzer Zeit waren die nöthigen Eapitalien gezeichnet und die hebräische Schule wurde zur Erinnerung an die Errettung Sr. Majestät des Kaisers eingeweiht! Mögen sich seine Amtsbrüder in Mähren ihn zum Muster nehmen und dahin wirken, daß in Mähren eine tüchtige Kenntniß des Hebräischen nicht abnehme und der dürftige deutsche Religionsunterricht 'nicht das jüdische Wissen verdränge! Ferner ist hervorzuheben, daß die Regierung bestrebt ist, die jüdischen Gymnasiasten in Mähren von jüdischen Religionstehrern in Religion unterrichten zu lassen. Dergleichen Religionslehrer für Gymnassen sind bereits in Brünn, Nikolsburg, Kremsier und Straßnitz und, wie ich höre, soll auch in Olmütz ein jüdischer Religionslehrer angestellt werden.— Was nun die Rabbiner im Allgemeinen betrifft, so ist ihre Stellung eine geachtete sowohl bei ihren Gemeinden wie bei der Regierung. Da es fast in jeder mährischen Gemeinde noch Privatleute gibt, welche viel jüdisches Wissen besitzen, so müssen die Rabbiner, selbst die jungen und modernen, sich durch tüchtige Kenntnisse in Talmud und Midrasch auszeichnen, und es ist zu hoffen, daß die jüdische Wissenschaft von historisch-kritischem Gesichtspunkte aus auch in Mähren ihre- Pflege sinden werte. Gepredigt wird in sehr vielen Gemeinden, und die Rabbiner zu 35*

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