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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 12 · p. 466

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 12
Article
Briefe aus Mähren
Date
1853-01-01
Page
466 (sequence 3)
Language
German
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466 Briefe aus Mähren. im Ghetto. Eheleute, deren Ehe früher nicht anerkannt wurde, ließen sich öffentlich trauen, und nie haben dankbarere Herzen für den von den Juden Mährens geliebten und geehrten Monarchen geschlagen als bei jenen Trauungen! Greise,, die zuerst hatten sterben müssen, ehe es ihren Enkeln möglich gewesen wäre zu heirathen, führten mit freudigem Gewüthe ihre Nachkommen unter den Trauhimmel, und Jünglinge, die sich sonst angefeindet und beneidet hatten, freuten sich, daß die Abschaffung der Familienstellen sie nicht zu Gegnern sondern zu theilnehmenden Freunden machre. Das Ghetto lichtete sich, viele .Juden verlegten ihre Wohnungen in die ״Ehristenstadt", kauften daselbst Häuser, kamen mit ihren christlichen Mitbürgern in Berührung und zeigten ihnen, daß der Jude keinen Mißbrauch mit den erhaltenen Rechten mache und daß er von denselben menschlichen Gefühlen belebt sei, wie sein christlicher Nachbar. Christlicher Nachbar! Ein Adjectiv und Substantiv, die kein Jude in Mähren bei aller Sprachgewandtheit verbinden konnte. Biele wendeten sich dem Ackerbau zu, Viele zogen nach Olmütz und Brünn, den Hauptstabten der Provinz, wo sie früher nicht wohnen konnten, Alle bestrebten sich des Gesetzes, das ihnen Freiheit schenkte, sich würdig zu zeigen, Alle waren bereit ihr Bestes und Theuerstes für das Wohl und das Gedeihm des Kaiserstaates zu opfern. Hatte Se. Majestät Franz Joseph I. in den Herzen feiner mährisch-jüdischen Staatsbürger lesen können, überall würde Er Liebe, Treue, Begeisterung, Aufopferungsfähigkeit gefundm haben. Diese Gefühle bewegen noch heute die Herzen der mahnschon Juden, die für ihren Kaiser schlagen z allein düstere Schwermuth lagerte sich wieder über das mährische Ghetto seit Rosch ha- Schana 5614! An diesem Feste erschien nämlich eine Verordnung vom 2. Ottober 1853 (Ereb Nosch ha - Schana. 5613),!welche die Besitzfahigkeit der Juden m Oesterreich suspmdirt, und die ftühecen Gesetze darüber provisorisch in Kraft setzt. Bang und ängstlich sehen die Bewohner des mährischen Ghetto einander an und fragen, was die Zukunft ihnen Lringm wird. O, wie herzerschütternd war. es, an dem letzten Neujahrsfeste die Gebete der Juden Mährens zu hören! Und doch beseelt sie das feste Vertrauen, daß der ritterliche Monarch, den sie als ihren Retter und Befteier betrachten und verehren, sie nicht wieder auf das alte Ghetto mit seinen alten Gesetzen beschränken wird. — Ueberlafsen wir das der Vorsihung, welche die Herzen der Regenten leitet, und wenden wir uns jetzt zu-dem Nabbinen- und Schulwesen, den CuLturzuständen im Allgemeinen. IV. Wir beginnen mit dem schönen Zuge eines Ehrenmannes, des alten Rabbiner zu Boskowitz Herrn Wolf Placzek. Seit Joseph 11. gibt

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