Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Fälschungen in dem Texte der Septuaginta von christlicher Hand zu dogmatischen Zwecken
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 435 (sequence 4)
- Language
- German
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435 Wissenschaftliche Aufsätze. Diese mit Recht für alt ausgegebene Berechnung von 6000 Zähren zwischen Adam und Jesus, hangt offenbar mit dem Chiliasmus und dem ebionitischen Christenthum zusammen, welches die jüdische Tradition, daß die Welt bis znm Erscheinen des Messias 6000 Jahre alt sein müsse (ששת אלפים שנה הוי רזעולם), in Jesus beurkundet wissen wollte. Aber woher nahm man diese ungeheure Zahl von 3000 Jahren bis Phalek, d. h. bis zum Thurmbau, und 6000 Jahren bis Jesus, da doch Scaliger, der mathematisch-genaue Chronograph, nur 3950 bis Jesus herauszubringen vermochte? (vgt. dessen emendatio temporum 780 ff.)' Ein frommer Pater wußte Rath dafür, er beging die piafraus, zu den meisten der vorabrahamitischen Patriarchen vor ihrem Zeugen eines Sohnes 100 Jahre hinzuzufügen. Denn auf diese Jahre vor der Zeugung kam es gerade an, weit diese zusammenaddirt, die chronologischen Posten abgeben. Darum stimmt der I.XX-Text mit dm Hebr. bei der Gesammtzahl der Lebensjahre bis auf geringe Differenzen überein, weil diese kein chronologisches Moment bilden. Oie Summe der Jahre der ^6Patriarchen bis Phaleg, inclusive des fmgirten zweiten Kainan, betragt zwar nach dem uns vorliegenden Texte der Septuaginta nicht, wie das Fragment des Hesychius angibt, 3000, sondern nur 2800 Jahre. Die fehlenden 101 Jahre müssen also einem oder mehrern der Patriarchen zugetheitt gewesen sein. Denn fünf Patriarchen hat nach dem vorliegenden Texte die Fälschung verschont: Jered, Metusata, Lamech, Noah und Sem. Erklärlich ist diese Erscheinung, weil diese sämmtlich auch nach dem hebr. Texte bei der ersten Zeugung über 100 Jahre alt waren, Noah gar 500 Jahre׳ wollte man ihnen 100 Jahre zulegen, so würde daraus ein Mißverhältniß gegen die übrigen entstanden sein, daß sie erst nach 200 Jahren gezeugt haben sollten, wie denn das Chronicoii paschale bei Nachor die monströse Zahl 270 Jahre hat, als er Therah zeugte (nach der von Du- Cange vorgeschlagenen Emendation 60 anstatt 0#' (II, 254 ed. Bonn), wahrend die LXX Nachor nur 100 Jahre zulegt. Wie man die 3000 Jahre von Phaleg bis Jesus herausgeklügelt hat, laßt sich nicht so leicht ermitteln.— Es ist nun nach dieser Untersuchung sonnenklar, daß die Differenzen der Septuaginta bei den Lebensjahren absichtliche Fälschungen sind, aus einem dogmatischen Interesse hervorgegangen, und Jacob Edeffenus hat Recht, daß die Zahlen verderbt sind, nur nicht im hebräischen Texte von Juden, sondern im griechischen Texte von Christen, um die messia- Nischen 6000 Jahre von Adam bis Jesus Nachweisen zu können. Aber nicht nur die Septuaginta, auch den Text des Josephus hat man verfälscht, um ihn der LXX conform zu machen (Antiq. I, 34 u. 43), wie man bekanntlich auch eine ganze Stelle von Christus in Josephus hineininter-