Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Diaspora zur Zeit des zweiten Tempels
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 422 (sequence 14)
- Language
- German
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4M Die Diaspora Wir Zeit des' zweiten Tempels. des Judcnthums: dessen Wissenschaft. Und ist doch dieses das charakteristische Zeichen des Judenthums, daß es nicht sein Bestehen an äußere Mittel knüpft! Tempel, dahin abzulicfernde Schekel, von einem Mittelpunkte ausgehende Bestimmung des Neumondes haben anfgchört; das Judenthum hat dafür, wie auch die Inden nach allen Seiten zerstreuet sind, in sich einen Mittelpunkt gesunden: es lvird von seinem Geiste getragen. Wir verfolgen nun weiter die egyptische Diaspora. Sie breitete sich allmälig an den africanischen Küsten des mittelländischen Meeres aus, und vorzüglich war Cyrene stark von Juden bevölkert °). Ein Jude aus Cyrene, Jason, hat ein Buch über den Sieg der Maccabäer verfaßt, das wir im Auszuge (2. Buch *d. Maccab.) besitzen. Die Cyrenier standen also mit Palästina in Verbindung und nahmen an dessen Schicksalen Antheil. Mehr noch (da dieser Jason vielleicht anderswo lebte) zeigt für diese Verbindung die Sendung des halben Schekels und der Weihopfer, die Cyrene jährlich nach Jerusalem machte. Ein Decret Agrippa's, Schwiegersohnes des Kaisers August, verbietet dem Senate zu Cyrene, den Juden in irgend einer Weise in Absendung des heiligen Geldes nach Jerusalem Hinderlich zu fct’tt5).— Eine ansehnliche jüd. Gemeinde befand sich auch in der im Königreiche — später römischen Provinz — Cyrene gelegenen Stadt Berenice. Ein zu Tripolis (hier >var das alte Berenice) in neuerer Zeit anfgefündcner Stein enthält eine griechische Inschrift des jnd. Senats daselbst, des Inhalts: ״Es sei in einer Zusammenkunft am Schluss« des Laubhüttenfestes von den Archonten (Vorstehern) und der Gesammtheit der Juden zu Berenice beschlossen worden, dem Marens Tittius Aemilius, der Gerechtigkeit und Milde geübt und sie auch gegen die Inden zu Berenice bewährt habe, zu beloben und ihn (sein Bild) bei jeder Zusammenkunft mit einer Oelkrone und einer Binde zu bekränzen. Zugleich werden LieArchonten beauftragt, diesen Beschluß auf eine Säule von parischem Marmor aufschreiben und sie auf dem hervorragendsten Platz des Amphitheaters aufstellen zu lassen". Dieser Beschluß fällt in das Jahr 44 vor der üblichen Zeitrechnung , und ist noch durch den Umstand bemerkenswerth, daß wie aus einer genauen Berechnung der auf dem Steine angegebenen -Jahres- und Monatszahl her- 6) Zosephus a. c>. O. ,14. 7. 7) Derselbe a. a. O. 16. 6. 5.