Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Diaspora zur Zeit des zweiten Tempels
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 421 (sequence 13)
- Language
- German
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421 Die Diaspora zur Zeit des zweiten Tempels. die religiöse Grundlage unsicher, so wurde sie durch den Gang den die Forschung zu Alexandrien nahm, in ihren Tiefen erschlittert. Die griechische Wissenschaft, der im alten Hellas kein Ruhepunkt winkte, schien in Alexandrien eine neue Pflanzstätte zu finden, und es wurde daselbst mit Eifer das Studium der Systeme der früheren Philosophen betrieben. Die Juden blieben diesen Bestrebungen nicht fremd; sie nahmen nicht nur lebhaften Antheil an dem allgemeinen Bildungsgänge und eigneten sich eine vertraute Bekanntschaft mit den Werken der Alten an", sondern sie suchten auch den Geist der griechischen Philosophen (Philosopheme) in die Schrift hineinzutragen oder vielmehr die Schrift im Geiste dieser Philosophen aufzufassen. Da sie keine eigentliche Kenntniß der Schrift mitbrachten, da ihneEderen Genius und der zündende Funke des jüd. nationalen Verständnisses abhanden gekommen war, so hatte in ihren Augen eine solche Fusion der heterogensten Elemente seine volle Berechtigung und sie^gingen unbedenklich an die nach ihrer Ansicht verdienstliche Arbeit, den biblischen und hellenischen Geist mit einander zu versetzen. Wie sich ihnen das specifische Judenthum ganz verflüchtigt ergibt sich deutlich aus Philo, der die Schrift nur durch allegorische Auffassung zu retten vermeint, und daher selbst den wichtigsten Gesehen nur deßhalb Kraft zugestehet, weil man dem einmal bei der größern Menge herrschenden Gebrauche sich nicht Wiedersehen darf 5). — Faßt man das.religiöse Leben zu Alexandrien nach den uns erhaltenen Berichten auf, so waren die Juden daselbst in zwei Lager getheilt: Viele kannten nur ein stumpfes, gedankenloses Festhalten, ohne sich zu irgend einer Forschung zu erheben; Andere gingen von einem auf fremdem Gebiete erfaßten Standpunkte auf die religiöse Forschung icher; nur das Eine hatten beide Parteien gemein: Unkenntniß des eigentlichen Religionsgebietes. Wenn daher auch Alexandrien durch Tempel und Weihgeschenke mit Palästina verkettet war, so fehlte ihm doch die wesentlichste Bedingung der Erhaltung 5) Vgl. Philo de Migratione Abvaharai p. 402 u. sonst. Die in dem Vorworte zu der Schrift ״Ueber den Einfluß 2c." angekündigte Monographie ״ Philo tmb Maimomdes" wird manches Nähere bringen und zugleich beweisen, wie sehr diese beiden Männer, wenn sie sich auch in mancher formellen Auffassung zuweiten begegnen, in den Grundanschauungen von einander diametral differiren. Schon daß Philo sich an Plato anschließt, Maimonides hingegen ein strenger Anhänger des Aristoteles ist, genügt, um auf den ganz verschiedenen Standpunkt Beider hmzuweisen.