Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Diaspora zur Zeit des zweiten Tempels
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 419 (sequence 11)
- Language
- German
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419 Die Diaspora zur Zeit des zweiten Tempels stimmung des Neumonds dürste sich zwar der Zweifel erheben, ob hierfür das Synhedrium zu Jerusalem maßgebend war, oder ob der Gerichtshof zu Alexandrien den Neumond bestimmte^); hinsichtlich der andern Verbindungen jedoch spricht das laute Zeugniß des alexandrinischen Philosophen Philo, der an., einer Stelle sagt, die Juden halten bei ihrer Anhänglichkeit an das ehemalige Vaterland die heilige Stadt für die Metropolis, weil in ihr der Tempel des höchsten Gottes erbauet ist (vgl. vor. Jahrg. S. 82. 273), und an einer andern Stelle erzählt, daß er nach Jerusalem gesandt wurde, um daselbst zu beten und zu opfern (vgl. das.). Zwar ging bei einem um die Hohepriesterstelte zu Jerusalem ausgebrochenen Zwist ein Priester nach Egypten und erbauete daselbst zu Leontopolis einen Tempel; doch erhob sich dieser Tempel selbst bei den alexandrinischen 1) Hierfür scheint auch zu sprechen, daß die oben gedachten Teuersignale nach Babylon, aber nicht nach Alexandrien gegeben wurden. Vielleicht mochten sich jedoch hierfür nicht schickliche Stellen nach Egypten zu finden. Hingegen dürfte dieses constatirt sein, daß man auch in Alexandrien doppelte Feiertage hatte. Die von Jerusalem Entfernten mußten nämlich, wie bekannt, da sie zweifelhaft waren ob der neue Monat am 30. oder 3t. Lag des vorigen Monats begonnen habe, den jedesmaligen Feiertag doppelt begehen. Als-nun spater der Neumond astronomisch flxirt wurde, wurde den Alexandrinern von einem palästinischen Lehrer empfohlen, sie mögen nichtsdestoweniger den Gebrauch ihrer Väter hinsichtlich der doppelten Feiertage beibehalten. Vgl. j. Erubin 3, 9: ,-'יוסי מישלח כתיב לחון (לאלבס וריאה) אע״& שכתבו לנם סדרי בוועדות אל תשנו מנהג אבותיכם נוחי נפש Vgl. Grätz Gesch. IV, 55-/(doch sind dessen Resultate das. fraglich). Ra-poport folgt zwar a. a. O. in.dem trefflichen Artikel אלבסנדריא S. 102 der andern Erklärung des Korban Haeda das.,- daß sich dieses auf die Ordnung der Festgebete beziehe; dem Geiste wie dem Wortsinn der Stelle nach ist jedoch obige Erklärung, die auch Korban Haöda zum Lheile hat, die angemessene. Hervorzuheben ist noch, daß die Feiertage zu Alexandrien mit denen in Jerusalem,. soviel wahrzunehmen ist, zugleich fielen. So der Versöhnungstag, vgl. Joma 6, 4. Menachot 11, 7; das dortige בב^ייפ wird Joma 66. Menachot 100 durch אלכסנרדיים erklärt. Dieses weiset denn auch hin, daß die Neumondsbestimmung zu Jerusalem die allgemeine Norm war. — Wenn übrigens auch zu den weit Entfernten die Feuersignale und später die Neuwondsboten (Rösch Haschana 3, 2) nicht kamen, so konnten sie doch im Allgemeinen, so sie im Verlauft des Jahres Kunde von den Neumonden zu Jerusalem erhielten, sich nach gewissen Regeln als 'אין פוחתין רפד Erachim 2, 2, ferner מימות עזרא זכו' לא מציגו אלול מעובר , sowie אדי הסמוך לניסן וכד' Rosch Haschana 19.-20, insoweit in Uebereinstimmung mit der Bestimmung zu Jerusalem, halten, daß'sie nur mit einem Lag in Aweiftl blieben und diesen durch die doppelte Feier ausglichen. Mit Gewißheit gehet übrigens aus diesen Fatten hervor, daß zu Alexandrien nach Mondmonaten gerechnet wurde, wofür ich in einem Aussatze in der Jeitschr. der dmtsch-morgenland. Gesellschaft 1. Bd, S. 102׳ ff. noch andere Beweise brachte.