Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Diaspora zur Zeit des zweiten Tempels
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 417 (sequence 9)
- Language
- German
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417 Die Diaspora zur Zeit des zweiten Tempels. über bcffcit Politische Verhältnisse tu diesem Zeiträume, wenn mau von den Streitigkeiten mit den Samaritanern und der, zum Th eile selbstverschuldeten Bedrückung desPcrscrsatrapcn Bagoses^) absiehct, die Geschichte lautlos schweigt. Daß aber um desto mehr die religiösen Zustände sich ausgebildct, eine innere geistigc Thätigkcit das Religiousgebäude vollendet und befestigt und dem Judenthum seine ntierschütterliche Grundlage gegeben ist dem erkennbar, der tticht nach trockenen in todten Buchstaben niedergelegtcn Factcn, sondern nach den Resultatcir geistigen Schaffens und Wirkens die Geschichte mißt. Und dasselbe gilt auch hinsichtlich Babylons, das die spätere römische und nachrömische Zeit als die vorzüglichste Werkstatt der Religions- Wissenschaft zeigt, die frühere Zeit als Hand in Hand mit Palästina wirkend, wenn auch dem Mutterlandc dcrt Borzng einräumend, darstellt. Zwar werden nicht Schulen in der früher» Zeit in Babylon namhaft gemacht; doch ist an den Gelehrten, die von da nach Palästina zogen— Hillel der Aeltere, Nachum der Medicra) — wahrzunehmcu, daß jüdische Religionswissenschaft und Religionsstudium daselbst blühcten. Palästina und Babylonien standen stets in unmittelbarem Verkehr, der erleichtert durch die geineiuschastliche Sprache — in Palästina der westaramäische, in Babylonien der ostaramäische Dialekt — das Verfolgen eines gemeinschaftlichen Zweckes, des Anbaues der relig. Wissenschaft zum Ansgangs- und Endpunkt hatte. — Ob die Ausbreitung der Juden nach dem nördlichen Medien dem Iranischen Zoroastcr Gelegenheit gegeben, sich mit der mosaischen Lehre bekannt zu machen und er aus ihr für seine Avesta abgeholt, mag, da die Zeit des persischen Religionsstisters in fast undurchdringliches Nebel gehüllt ist, hier unerörtert bleiben?) Das persische Reich wurde durch Ateraitder aufgelöst; seine Feldherren genossen ttach feinem Tode die Früchte seiner Siege. Palästina vott Alexander geäugstigt, von deut großmüthigen Sieger jedoch bald seiner Angst befreiet, fühlte nicht lauge hierauf die Geißel des in Egypten eine nette Dynastie gründen- 2) Bgl. Joseph. Alterthümer II, 7. 3) Rach einer Meinung Ketudot 105 gehörte er zu dem Gesehgebungstribunal für Polizeiliches (vgl. tmscrn Gerichtl. Beweis S. 86) zu Jerusalem. 4) ׳ Das bei Anquetil mit ermüdender Weitläufigkeit hierüber Verhandelte ist kurz und klar bei Spiegel Avesta 1׳. Band Eint. 3. Kap. zu finden.