Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Diaspora zur Zeit des zweiten Tempels
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 414 (sequence 6)
- Language
- German
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414 Die Diaspora zur Zeit des zweiten Tempels. Folgende von Jofcphus °) erzählte Begebenheit zeigt die Juden Babylons auf einer hohen Stufe der Macht und des Ansehens; sic gehört zwar einer spätem Zeit (etwa 30—40 Jahr vor dcd Zerstörung des Tempels) an, gestattet jedoch einen Rückschluß auf die frühere Periode. Die an einer Enphratkrümmnng gelegene feste Stadt Nchardea (נהררעא) ivar im Besitze der Inden; dorthin wurden das jährliche halbe Schekel, so wie andere ,Opfcrgaben nredcrgelegt, und das Angcsammclte. unter sicherer Bedeckung nach Jerusalem gesandt/ Um die vorgedachte Zeit lebten daselbst zwei Brüder, Asinai oder Asai und Chanilai'), die von ihrem Meister, einem Weber, nach einer erlittenenMiß- Handlung entflohen und sich an eine der fruchtbaren Niederungen des. Euphrats begabeu. Hier sammelten sie viele gleichgesinnte Genossen um sich und brandschatzten durch den Schrecken ihrer Waffen die ganze Umgegend. Der babyl. Satrap hierauf aufmerksam gemacht, zog mit einem Heere gegen diese Schaar aus und gedachten sie am Sabbat, wo den Inden das Ergreifen der Waffen verboten Ist (diesen Umstand benutzten auch griechische und römische Feldherren. Vgl. vor. Jahrg. S. 50) zu überfallen und einen leichten Sieg davon zu tragen. Doch Asinai, von dem Hcrannähen, des Feindes benachrichtigt, belehrte die Seinigen, daß. unter solchen Umständen gestattet sei am Sabbat zu kämpfen, und brachte dem Feinde eine blutige Niederlage bei. Die Kunde hiervon gelangte zu dem parthischen König Artaban, der den Muth der Brüder bewundernd einen Vertrauten mit der Botschaft an sie sandte, daß der König in Anbetracht ihrer Tapferkeit seinen gerechten Zorn unterdrücke und sie unter dem Versprechen der Unverletzbarkeit an seinen Hof lade. Asinai schickte seinen Bruder Ehanilai, und als dieser aus die Frage, warum nicht auch Jener komme erklärte, weil er nicht recht traue, gab ihm der König seine rechte Hand (dieses ist nach JosephuS' Bemerkung bei den Barbaren jener Gegend das unverbrüchliche Zeichen der Wahrhaftigkeit) mit der Betheuerung, daß er nichts Hinterlistiges vorhabe. Hierauf begab sich auch 6) Werth. 18, 9. 7) Josephus nennt sie Aruvcäog trab Avilalos. Letzteres ist unverkennbar der bei den babyl. Juden nicht selten vorkommende Name mvrn; Erstercs dürste das bekannte 0׳« (vielleicht ׳v8> sein/ und schob Josephus aus accomodircnder Gräcisirung das n ein. Biellcicht ist es n׳u8 (welches jedoch nicht in Babylon gebräuchlich war).