Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 10
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 406 (sequence 6)
- Language
- German
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406 Recensionen und Anzeigen. und deutscher Autoren. Diese Büchersammlung ist meist durch Geschenke von Bibliophilen und Schriftstellern zusammengekommen. —- Die jüdischen Unterrichts - und Kinderbewahranstalttn zu Paris ecwahnen wir nur kurz, da eine besondere Mittheilung darüber bereits im vor. Jahrg. dieser Monatsschrift (S. 34V ff.) enthalten ist. Btos über die Talmud-Thora sind wir etwas ausführlicher. In einem Hellen und geräumigen Locale werden 15—20 junge Leute von 12—16 Jahren in der Bibel, Mischna, Gemara, ferner in der hebräischen, griechischen und lateinischen Sprache, Mathematik, in französischem und deutschem Styl u. s. w. von mehreren kundigen Lehrern unter Leitung der mehrgedachten Herren Isidor und Albert Cohn und des Rabbineradjunkts Hrn. Tr eu el unterrichtet. Die austretenden Schüler sind nicht an die rabbinische Laufbahn gebunden, sondern es stehet ihnen frei sich jedem andern wissenschastlichen oder geschäftlichen Berufe zu widmen. Diese Anstalt ist also eine Psianzschule für die Zukunft -, sie bezweckt, daß die jüdische Wissenschaft nicht blos auf die angestellten Rabbinen beschränkt bleibe, sondern — wie dies von jeher in Israel war — wieder Gemeingut des Volks werde! — Der talmudische Unterricht wird darin in französischer Sprache ertheilt. Wahrlich es machte einen eignen Eindruck die verwickeltsten Stellen der Gemara mit Raschi's Commentar in geläufigem Französisch intecpretirt zu hören! Jedenfalls wird das wissenschaftliche Studium des Talmuds dadurch an Aufschwung gewinnen. — In demselben Locale befindet sich auch ein Zimmer, worin Erwachsene gemeinschaftlich im Talmud studiren (ש״ס חכרה). — Nach dem pariser Consistorialsprengel ist der von M e tz mit 9000 Seelen der bedeutendste, lieber die Rabbinenschule daselbst wurde bereits im vor. Jahrg. d. Monatsschrift S. 224 ff. berichtet.׳ Nachstdem folgt der Sprengel von Nancy mit 8900 S. und 4 mit Rabbinen versehenen Filialgemeinden; sodann der Sprengel von Marseille, wozu für jetzt auch noch Lyon gehört, mit 4500 S./ hierauf Bordeaux (dessen Großrabbiner Hr. Marx unlängst vom Kaiser Napoleon III. mit dem Kreuz der Ehrenlegion eigenhändig decorirt wurde) mit 4000 S. und St. Esprit (bei Bayonne) mit 2200 Seelen. Zu letzterem Sprengel gehören die kleinen Gemeinden zu Toulouse und Peyrehorade, wahrend Avignon, Nismes, Carpmtras an das Consistorium zu Marseille gewiesen sind. — Für A lgerien bestehet ein besonderes Central-Consi'storium zuAlgier und zwei Provinziat-Consistorren zu Dran und Conftantme. — Wir schließen mit dem Wunsche, daß die wohlgegliederte Organisation des jüdischen Cultuswesens in Frankreich ferner dazu beitragen möge, den religiösen Sinn zu fördern; dann wird auch anderwärts Anerkennung bei wahrhaft frommen und für das Gedeihen des Judenthums beseelten Männern