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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 9 · p. 340

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 9
Article
Die Gemeindeordnung nach talmudischem Rechte
Date
1853-01-01
Page
340 (sequence 12)
Language
German
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IRI
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340 Die Gemeindeordnung nach talmudifchem Rechte. lauft des Geldes und dessen Bedarf. Bei dem in der Wiege liegenden Bergbau war Geld selten, und zu den Zeiten Karls des Großen galt erst hundert von Hundert für Wucher. In der Folge stieg der Zinsfuß noch hoher, im I. 1344 war er zu Lindau am Bodcnfte bis 216| von Hundert, und die Bürger ivaren froh als sich ein jüdischer Wechsler daselbst niederließ, der sich mit geringeren Zinsen begnügtes. Durch die unanshörlichen Kriege, die Kreuzzügc, die großen Summen die Nom verschlang, ivar auch der Bedarf des Geldes groß; und es mußte der Zinsfuß noch durch den Umstand steigen, daß das Staatsweftn auf allen Seiten zerrüttet in seinen Gesetzen den Gläubiger nur geringen Schutz bot«). Der Haß gegen die Juden entsprang aber nicht sowohl aus dem Wucher, als aus der Lornirten Ansicht, daß auf Zinsen zu borgen dem Christen verboten sei und man dieses Geschäft nur den Juden, als einem verworfenen verdammten Volke gestattete'). Zwar trieben auch Geistliche wucherische Geldgeschäfte, in England streckten sogar die Geschäftsführer der Päbste von den erpreßten Geldern an׳ sehnliche Summen gegen Zinsen den Königen und Bischöfen vor°); aber was der große Haufe bei seinen Priestern nicht sehen zu dürfen glaubte, das erblickte er mit um so feindlicherem Auge beim Juden; nicht die Höhe der Zinsen, sondern daß der Jude als Verworfener außer dem Bereiche des Kirchenverbotes stehend Zinsen nehmen durfte, steigerte den Haß; die Gier nach dem Gute des Juden hatte Fanatismus zum Verbündeten. — Und wendet man sich zu dem Familienleben, der Keuschheit und Sittlichkeit dieser Juden des Mittelalters, so ist doch noch kn ihnen etwas Anderes als Gold- und Beutegierige Elende.wahrznnehmtn, die nur für Wucher und Aussaugen Sinn hatten. Sie bedürfen nicht des Mitleids, mit welchem manche s. g. philanthropische Schriftsteller auf sie herabblicken; sie standen nicht nur über ihrer Zeit (man rufe sich die rohe Zügellosigkeit des Mittelalters und die oft geschilderte Sittenlosigkcit des 16. und 17. Jahrh. zurück), sondern sie beschämen auch manchen vornehmen Bemitleider unserer Tage, dem das eigentliche Vcrständuiß dieses inner» Lebens abgehet'). 5) Hüllmann a. a. O. S. 55, woselbst noch über manchen andern Zinsfuß. 6) Derselbe LH. 2. Erstes Hauptstück I. 7) Derselbe S. 36. 8) Derselbe S. 37. S) Nicht ohne Interesse dürste auch sein, daß die Gemeinden zuweilen selbst

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