Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Briefe aus den Vereinigten Staaten
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 314 (sequence 4)
- Language
- German
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314 Briefe aus dm Vereinigten Staaten. sehr fromm und auch sehr gute Redner sind, aber im Allgemeinen sind sie außer der trockenen Uebersetzung des Bibeltextes sehr unwissend. Gelehrte Geistliche gehören zu den Seltenheiten. Die fernere Wirkung dieser Ursache ist, daß es hier nicht zur Tagesbildung gehört, über Religion, Kirchen und Pfaffen zu schimpfen; man würde hier einen solchen Menschen für einen ungebildeten und schamlosen Lästerer halten. Die allgemeine Bildung ist auch die Ursache, daß die Kirchen gar nichts Anstößiges oder Auffallendes enthalten; Bilder, Ceremonien, lange und bestimmte Gebete finden sich nur im geringsten Maaße bei einigen Seelen; Gesang, Orgel, Predigt und kurze Gebete ohne sonderliches Ceremoniet ist Gegenstand der Kirche, die für jeden Menschen offen iss und wo jeder Fremde freundlich ausgenommen wird. Dieser Zustand übte auch einen vielfachen Einfluß auf die amerikanischen und amerikanisirten Israeliten. Man will zwar über Religiönssachen unterrichtet sein, hat aber keine Lust, entweder tief einzudringen, oder von alten, hergebrachten Ideen bedeutend abzuweichen. Man will ferner zwar einen Geistlichen haben, der predigen kann, aber man kümmert sich wenig darum, ob er eine gründliche oder oberflächliche Bildung hat. Koryphäen werden weder gesucht, noch schenkt man ihnen sonderliches Zutrauen. Man wünscht ferner in der. Synagoge Anstand, Ruhe und Ordnung , ohne jedoch merklich vom alten Style, abzuweichen. Endlich gehört auch beinahe jeder Israelit einer Gemeinde freiwillig an, und unterstützt sie. Ich komme nM zu einem andern Punkte, der sehr'wichtig ist, nämlich dem Materiellen. Der Materialismus ist hier ein vorherrschendes Element. Jeder strebt nach-Besitz, und zwar nach großem Besitz; und darum ist auch Jedermann ein Kaufmann. Dieses Element spornt zwar aus der einen Seite an, solche Kenntnisse zu sammeln, die im Erwerbe nützlich sind, weßwegen auch Mathematik und Physik hier aufs Eifrigste betrieben werden; aber es erstickt auf der andern Seite den Durst nach anderen Wiffenschasten- und-verhindert jede Gründlichkeit im Wissen. Der junge Mensch sieht diese Jagd nach Geld'beständig vor sichwird davon angesteckt, und anstatt seine Jugendjahre dem Studium zu widmen, ergreift er die glücklichen Chancen, deren es Tausende gibt, Geld zu verdienen, und lernt blos so viel als dieser Hauptzweck erfordert. In diesem allgemeinen Strome schwimmen auch die Israeliten; Alles jagt nach -Geld,xmb in biefet fenneft sehr Viele weder Speise - noch Sabbatgesetze, weßwegen man hier häufig Menschen findet, die weder diese Gesetze, noch ein anderes Cerm'dnialgesetz außerhalb der Synagoge beobachten, aber doch mit aller Gewalt gegen die Abschaffung eines Stück Pijüt öder einer Selicha protestireru Hingegen hat der Materialismus auch den Einfluß, daß es den Gemeinden nie an Geld