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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 8 · p. 313

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 8
Article
Briefe aus den Vereinigten Staaten
Date
1853-01-01
Page
313 (sequence 3)
Language
German
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Briese aus den Vereinigten Staaten. 313 wärtigen. Er ist unzufrieden, mit, dem, der seine Ansichten und Grundsätze nicht vertheidigeu kann; hört cine Vcrtheidiguug ruhig, an, wenn er auch dadurch aufs Heftigste angegriffen wird; er antwortet ruhig und will, daß man ihn eben so ruhig an höre; sieht er sich aber im Argumeutirey überboten, so. sagt er ganz ruhig: I glvv Ir up (Ich gebe es aus), und reicht seinem Gegner aufs Freundlichste die Hand. Daher wird auch hier sehr viel polemistrt; in Privatgesprächm, auf der Kanzel und in Zeitungen, welches sehr dazu beiträgt/ dem Aberglauben, den Vorurtheilen und der Unwissenheit entgegen zu wirken. Dem Judenthume kommt dieses zwiefach zu Gute. Es kann sich selbst öffentlich und ruhig vertheidigeu, und seinen fürchterlichsten Gegnern, Unwissenheit und Aberglauben,, die Spitze bieten; ferner treibt ihn das Bedürfniß seine Religion vertheidigen zu können zum unablässigen Hören und Selbstdenken, da beinahe jeder Tag Gelegenheit zu poleneischen Gesprächen bringt. Dieses ist das allgemeine geistige Feld, auf welchem das Judenthum hier steht, und das, wie ich glaube, noch Niemand genau beschrieben hat. Um Ihnen aber einen deutlichen Begriff von unserer Stellung zu geben, muß ich Sie noch auf einige andere Punkte führen, und da liegt zuerst vor uns das literarische Feld, So wie die Straßen und Gasthäuser beinahe aller Städte gleiche Namen haben, so wie der Banstyl der Häuser, die Sprache, die Küche, die ganze Lebensweise, die Münzen, Maaß und Gewicht, Kleidung und all.es Andere in den ausgedehnten Vereinigten Staaten überall ganz dasselbe ist, im Norden wie im Süden, auf dem Lande wie in der Stadt, m großen wie in kleinen Städten; so ist's auch mit der literärischen Bildung: in jedem Dorfe, wie klein es . auch immer sei, werden wenigstens ein oder zwei Zeitungen veröffentlicht. Jeder Mensch liest: der Kohlenbrenner, der Bauer, der Kaufmann, der Gelehrte, der Mann, die,Frau, und das Kind liest, aber meistens Zeitungen; daher die Macht der Presse. So aber wie Alles liest, so wird auch nur selten Tüchtiges gelesen; wer etwas Tüchtiges liest, thut es zn. einem bestimmten materiellen Zwecke; daher kommt es auch, daß Bildung allgemein aber oberflächlich ist. In Bezug auf Religion hat dieser Zustand den Einfluß, daß zwar jeder Uankee wenigstens die halbe Bibel auswendig weiß, ein religiöses Blatt liest , Mh, MnigtzM. jedM ',Gd«ytag,ch»e Predigt hören muß; er bleibt gher dabei sehr befqngeiz in Religionsbegriffcn, und wenn auch nicht Wes, so glaubt er. doch das Meiste von dem, was er über Religion liest oder hört. Dennoch ist er freisinnig genug, seinen Kindern keine Religion anfzndringeil, so. daß es. zudew Seltenheiten gehört, daß ein Mensch vor seinem. 16.. oder 18, Lebensjahre getauft wird. Dieser Zustand ist die Ursache, daß die Geistlichen

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