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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 8 · p. 312

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 8
Article
Briefe aus den Vereinigten Staaten
Date
1853-01-01
Page
312 (sequence 2)
Language
German
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31L Briefe aus den Vereinigten Staaten. ihrer Selbstsucht schmeichelt; doch das eingeborne Element ist so vorherrschend, daß dieses importirte FieM gar bald erstickt wird, und schon nach wenigen Jahren schämt sich der Einwanderer einst'von Unduldsamkeit und Vorurteil besangen gewesen zu sein. Wünschenswerth wäre es, wenn Sie uns den Herrn B r u n o Baner aus Berlin für einige Jahre herüberschickten, damit er ein Aehnliches hier lerne,, damit dieser Herr in seinen Briefen an ein Rew -Uorker Blatt nicht wieder den Bock schieße, die Israeliten aller fünf Welttheile zu beschimpfen, weil ihm die Politik des D'Jsraeliim jetzigen britischen Kabinet mißfällt. Das Judenthum steht hier in demselben Ansehen, wie jede andere Religionsgenoffenschast, und genießt nicht nur dieselben Rechte, sondern auch dieselbe Achtung. Es ist hier zu Lande hergebrachte Sitte, daß der gesetzgebende Körper eines jeden Staates-alltäglich während der Sitzung v von einem Geistlichen mit Gebet eröffnet wird. Diese geistliche Function verrichtete Herr Eckm a nn, zur ZeitVorbeter (Hasan) der portugiesischen Gemeinde in Richmoud, in der Gesetzgebung des Staates Virginia, und Herr Dr. W i se aus Albany ist jedes Jahr einer der Geistlichen für die Gesetzgebung des Staates Mw-Uork. Daß dieses nicht schon öfter der Fall war, rührt daher, daß in den meisten Städten, wo das Gouvernement einzelner Staaten seinen Sitz hat, jüdische Gemeinden sich nicht finden oder keinen befähigten Geistlichen haben. Dieses ist hinreichend zu beweisen, daß das Judenthmn hier de facto als eine bestehende Religion anerkannt ist. In vielen Gegenden auf dem Lande kennt mau den Israeliten noch gar nicht, und denkt sich ihn unter verschiedenen Gestalten.- Das Staunen der neugierigen U ankeess ist gewöhnlich sehr groß , wenn man, nachdem man mit ihnen bekannt geworden ist, ihnen sagt, daß man ein Israelit sei, den sie,,sich durchaus in einer andern als in einer gewöhnlichen Menschengestalt denken. Die frommen Christen bevorzugen den Zs^aelitm-sehr;sie, gl-Mben. sich ihm dankverpflichtet für ihre Religion, sienennen Israel das von Gott erwählte Volk, für dessen Erlösung sie täglich beten, und glauben, der Israelit müsse, bedeutend, mehr wissen über Religion Md Religionsgeschichte als sie selbst, weßhalb -er auch mit hundert'Fragen bestürmt wird , sobald man seinen Glauben ermittelt hat. Die - Mksfionsgesellschgsten benutzen dieses aufs.Klügste p sieschicken meistens Apostaten zuweilen auch Polen mit langen Bärten, aufs Land, die dadurch Geld bekomme^ daßsie den Frommen zu Gemüthe.führen, das gotterwählte Israel verdiene am meisten die Fürsorge frommer Christen. Der Uaukee hat auch yoch diese herrliche Eigenschaft, daß er im Gespräche nicht böse wird, nie die Geduld verliert, weßwegen man auch ganz ruhig mit ihm polemisiren kann, ohne sich der.. geringsten Feindseligkeiten zu ge-

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