Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Briefe aus den Vereinigten Staaten
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 311 (sequence 1)
- Language
- German
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Briefe aus den Vereinigten Staaten. 311 Briefe aus den Vereinigten Staaten. ■ ■ . i. Jenes unheilschwangere Jahr (1492), welches die Schmach Israels in Spanien sah, sah auch die Entdeckung einer neuen Heimat für alle Bedrängte und Verfolgte, also auch für Israel der verflossenen Jahrhunderte, und zum Theile auch.des 19. Jahrhunderts. Aus Columbias unentwegtem Boden schießt AlleH so schnell und trefflich hervor, daß es ein Wunder wäre, wenn nicht auch unser Jndenthum schnell wachsen und gedeihen sollte. Es gedeiht: es entfaltet sich und blüht; und wir sind zu der Hoffnung berechtigt, daß es einst ein kräftiger fruchttragender Stamm werden'wird. An den Ufern der westlichen Seen, wo einst der Indianer dem großen Geiste einen Hund opferte; wo mit donnerndem Geräusche des Erie's Wafserschätze in die Tiefe hinabbrausen; an den Usern des riesigen Mississippi und seiner linken Hand, des Ohio; an den romantischen Bänken des alten Hudson, und wo der Conecticut, der Susquehanah, der Savana, Colerado und Columbia das bewohnte Land bespielen; wo der atlantische Ocean und der mexieanische Golf mit dem festen Lande um die Herrschaft kämpfen, und wo das stille Meer sich sanft an die Erde schmiegt, da hat auch Jehuda seine Wohnungen aufgeschlagen, da steht auch "zwischen den Kirchen die bescheidene Synagoge. Die Kirchen aller christlichen Secteu, die Tempel der Vernunft, wie die Nationalisten ihre öffentlichen Gebäude nennen, die Kirche der Mormonen, in besten der Geist Joel SmitW weht, der chinesische Tempel, des Indianers heiliges Zelt, die Synagoge stehen hier friedlich und einträchtig nebeneinander. Welch ein Triumph der fortschreitenden Bildung! Welch eine Toleranz! Des Propheten Wort ist hier erfüllt: es liegen beisammen das Schaf und der Wolf, und ein kleiner Knabe kann sie leiten. Keine Nation auf Erden kommt dem Uankee an Toleranz gleich. Die ersten Ansiedler dieses Landes verließen Europa, um Religionsverfolgungen und Religionszwang zu entgehen; und so blieb.auch Religionsfreiheit ein Eharäkterzug des Volkes. Diese Religionsfreiheit lebt nicht blos in dm Gesetzen dieses Landes, sondern im Herzen seiner Bürger; man kennt die Unduldsamkeit nicht. Wäre das nicht der Fall, so müßte ewiger Bürgerkrieg hier sein, da der Bürger herrscht und in jeder Stadt wenigstens zehn bis zwanzig verschiedene Religionsparteien sich befinden. Die Einwanderer aus Europa bringen zwar viel angeborne Unduldsamkeit mit ins Land, und bemerkenswert) ist, daß die sogenannten Radikalen in Politik und Religion am heftigsten dieser Krankheit ergriffen sind; sie können weder Sprech - uo ch Religionsfreiheit vertragen, und sind fanatisch gegen Altes, was nicht