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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 7 · p. 274

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 7
Article
Briefe aus Brüssel
Date
1853-01-01
Page
274 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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-4M Briefe aus Brüssel. Wir wollen nun noch Manches über. Schulwesen und Neligionsunterricht hervorheben. Wie aus dm früheren Briefen zu ersehen ist, war unter der holländischen Negierung hierfür fast Alles gethan; und obschon die Elementarschule in Brüssel in der letzten: Zeit vor dem Ausbruch der politischen Wirren einigermaßen zurückgegangen war und nicht mehr als ungefähr 60 bis 65 Zöglinge zählte, von denen etwas weniger als der vierte Theil zum Mittlern Stande gehörte undden Unterricht gegen Entrichtung eines mäßigen Honorars genoß, swar . bicfe im Verhältniß zu der israelitischen Bevölkerung der Hauptstadt, welche ebenfalls einigermaßen abgenommen hatte, noch immerhin befriedigend. Allein gleich nach der völligen Trennung Belgiens von Holland, welche unter andern zur Folge hatte, daß fast alle Lehrer an der jüdischen Schule in Brüssel — und dieses war der Fall auch in Antwerpen —׳ als geborene Holländer in ihr Vaterland zurückkehrten und man bei der Wiederbesetzung ihrer Stelle, insoweit man sich gleich anfangs dazu entschließen konnte, die Wahl provisorisch unter Lrndeseinwohnern vornehmen mußte, erlitt die Schülerzahl bald einen, merkbaren Verlust, und dieses noch mehr dadurch als der wohlhabende Theil der israelitischen Einwohnerschaft allmälig seine Kinder aas der Schule zurückzog und in die öffentlichen Unterrichtsanstalten sandte, weil die ganz freie Constitution nicht einmal den Religionsunterricht als Privatpflicht vorschrieb. Dennoch stieg die Schülerzahl in Brüssel wieder bis aus'ungefähr 60; das Verhältniß zwischen wohlhabenden und ärmeren Klassen war aber geringer als in der holländischen Zeit. Die letzte öffentliche Preisvertheilung, welche in den ersten Tagen des Rabbinatsantritts des Herrn Dr. Lo-eb stattsand, lieferte in den meisten Hinsichten sehr befriedigende Resultate; und man hatte gründliche Ursache sich ein völliges Emporkommm zu versprechen , als die Leitung des Unterrichts aus den'Händen des Comits in die des neuen Rabgezogen, aus dessem Hand Genesung und Befreiung von Schmerzen und Krankheit kommt! Möchte daher das Landesconsistorium zu Brüssel Sorge tragen, daß jeden Sabbat ein Gottesdienst abgehalten werde! Dieses könnte durch die Anwesenheit eines der rmni8tr68 officifmts, der sich jeden Freitag von Brüssel nach Ostende begäbe, sehr leicht bewerkstelligt werden: der jüdische Restaurant würde wohl ein Local, in welchem auch die ס״ת aufvewahrt würden, hergeben. Die etwaigen Kosten werden gern von den Kurgästen getragen werden. Durch eine solche Veranstaltung wäre auch die Ehre des Judenthums würdig vertreten. Aber freilich sollte sich hierzu noch Eins gesellen. Möge es dem würdigen Herrn Oberrabbiner vr. Loeb gefallen, sich durch die Saison je jeden Monat an einem Sabbat nach Ostende Zu verfügen und die anwesenden Jsraeliten durch eine Predigt zu erbauen. D. Red.

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