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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 7 · p. 273

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 7
Article
Briefe aus Brüssel
Date
1853-01-01
Page
273 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Briefe aus Brüssel. 273' Das Konsistorium betrachtete es ferner als seine wesentlichste Ausgäbe eine der Würde einer in der Hauptstadt etablirten Consistorialgemeinde entsprechende Synagoge und Schule zu errichten. Es wurde schon früher von dem Ankäufe eines Grundstückes durch eine milde Subscription zum Ausbau einer Synagoge Erwähnung gethan, und zugleich bemerkt, daß es sich vom Anfang an ausgewiesen hatte, daß dieses Grundstück seiner Bestimmung nicht ganz zu entsprechen schien. Natürlich war der Erlös beim Wiederverkauf weit unter dem Ankaufspreis, und konnte man bei den precären Zeitumständen nicht erwarten, daß eine neue Subscription bald genug die nöthigen Kapitalien zu einem Neubau herbeischaffen würde. Man entschloß sich daher ein in der Mitte der Stadt gelegenes und noch in gutem Zustande befindliches Gebäude unter ziemlich vortheilhaften Bedingnissen anzukaufen und für das Bedürfniß von Synagoge, Schule und Consistorialversammlungen u. s. w. einzurichten. Die Einweihung der Synagoge fand im Jahre 1834 am 4. April — שבח הגדול — in Gegenwart mehrer Honoratioren statt. Als Vorbeter (PN, ministre officiant) -wurde der sehr musikalisch gebildete und mit einer trefflichen Stimme begabte Herr A. Kohn aus Dürkheim angestellt. Bei der Einführung der vom Oberrabbiner entworfenen, allerdings tiefer eingreifende Reformen enthaltenden Agende (Reglement organique) erhob sich eine heftige Opposition, die mit dem Austritte des Herrn Carmoly, der sich nun in den Privatstand zurückzog, endigte. An seine Stelle trat in demselben Jahre Herr Dr. Heinrich Loeb, em vielseitig gebildeter Mann, an dem besonders seine mit Charaktersestigkeit verbundene Versöhnlichkeit gerühmt wird. Beseelt von tiefer Frömmigkeit — er ist Schüler des verstorbenen N. Abraham Bing, Rabbiners zu Würzburg — ist er dem besonnenen, auf dem positiven Judenthume basirenden und die Gemüther schonenden Fortschritte geneigt. Er hat sich daher auch allgemeine Achtung zu erwerben gewußt, und ist ihm die ganze Gemeinde ergeben. Er erfreuet sich auch der Achtung aller Gemeinden des Landes.*) *) Es sei uns gestattet bei dieser Gelegenheit einen Wunsch auszusprechen. Au. Ostende befindet sich keine jüd. Niederlassung; aber es ist während der Badesaison in dieser berühmten See- und Ladestadt eine bedeutende ambu-!ante israel. Coloni'e anzutreffen, cs finden sich hier viele Juden aus Deutschland, Frankreich u. s. w. ein. Während nun aber alle Confessionen eine religiöse Vertretung, einen gemeinschaftlichen Gottesdienst finden, siehe't sich der Jude ganz von jeder gottesdienstlichen Erinnerung abgeschnitten. Und diese ist gerade zu einer Aeit, wo Genesung und Heilung von Leiden gesucht wird, dem Geiste tiefes Bedürfniß: suhlt er sich doch hier am meisten zu dem hin-

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