Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 262 (sequence 14)
- Language
- German
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262 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. einmal der Nennung seines Namens würdigten (blos פי'בקונטרס), — eine Hkntcnansetzung, worüber der Knabe blos durch allerlei von dem Lehrer zutvcilen aufgetischte märchenhafte Erzählungen aus Raschi's mythenhaftem Leben, wie er seinen Gegnern noch nach dem Tode in der Nacht erschienen sei u. dgl., einige Beruhignng zu fassen vermochte: also diesen alten Commentator, den bereits Mendelssohn's und S. Dubno's Biur in den Hintergrund zu stellen begonnen hatte und den man später bei erhöhetcm wissenschaftlichem Bewußtsein fast vornehm zu belächeln anfing, fand mau nun mit einem Male von einem der talcntvollsten Jünger der modernen Wissenschaft znm Helden anserkoren, eine gelehrte Abhandlung in blühendem deutschem Style über ihn abgefaßt, Alles was man über dessen Leben und Schicksalc bisher zu wissen vorgab als fabelhaft oder unbegründet abgewiesen, dahingegen dessen fruchtrciche schriftstellerische Wirksamkeit in ihrer wahren hohen Bedeutung gewürdigt und in einem lichten Bilde dargcstellt! Das hatte man nicht erwartet! Es war gewissermaßen eine neue Morgenröthe, die über dieses Studium anzubrcchcn schien. — Die ״kritische Biographie Raschi's" stellte nun klar vor Augen, was man unter einer wissenschaftlichen Bearbeitung des Indenthnms, unter einer Regeneration der rabbinischcn Studicnwcisc zu verstehen habe. Nicht allein über Na schi selbst (früher von Gelehrten unrichtig Jarchi genannt) und seine Schriften, über den Cnlturznstand und die gelehrten Beschäftigungen der Juden in Frankreich im 11. und 12. Jahrhundert, über manche ältere Gcschichts- und andere Werke, die Raschi Vorlagen (z. B. über den hebräischen Josipon, den man früher ivohl gar für identisch mit Joscphus Flavins gehalten hatte), ward durch jene Abhandluug ein helleres Licht verbreitet, sondern was noch mehr ist, sie war zugleich die erste und wohlgelungcne Lösung des Problems ״ob das jüdische Schriftenthum einer gründlichen wissenschastlichen Bearbeitung in neuerem Sinne fähig sei"; dessen Verwirklichung die Einen bezweifelt, die Anderen bestritten und noch Andere sogar bespöttelt hatten. — Nicht als ob dadurch das Ziel schon erreicht worden wäre,, als ob das Streben der Jünger der Wissenschaft bei "ähnlichen Ausführungen (zumal wenn sie nicht des Meisters Griffel besitzen) stehen bleiben dürften und eine tiefere Versenkung in den Schacht, in die eigentliche Materie der Gegenstände selbst, nicht noch größere Ausbeute bringen würde, — aber die Schwelle war überschritten, die Pro-