Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 260 (sequence 12)
- Language
- German
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260 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. Allgemeinen vom höchsten Nutzen sei. Das gedachte Schriftchen (leider durch sehr viele Druckfehler entstellt) enthält trotz seiner skizzenhaften Haltung doch schon die Keime zu den wichtigsten und umfangreichsten Forschungen, denen die, hervorragendste!! jüdischen Gelehrten ein oder zwei Decennien später sich Hingaben und welche sie noch in der Zukunft zum Gegenstände ihrer wissenschaftlichen Thätigkeit nehmen dürften. Ein Blick ^wird darin geworfen auf Genesis und Ausbildung der talmudistischen nnd casuistischen Entscheid!!ngsregeln, auf die talmudische Lehre von der culpa und deren Zusammenhang mit dem römischen Rechte*), auf die ethischen Grundlchrcn der Rabbiner!, ans ihre Kenntnisse in der Mathematik, Astronomie, Natur- und Gewerbkniidc; hingcwiesen wird auf das Wesen -der oft mißvcrstandenen talmudischen Hyperbel, auf den Unterschied im Style der älteren und jüngeren rabbinischen und jüdisch-philosophischen Werke, auf den Sprachbau des sogenannten Nenhebräischen u. dergl. ׳mehr. Auch gibt dasselbe — zwar nur beiläufig — schon ein kurzes Verzeichniß der im Buche Sohar angeführten angeblichen älteren Werke; ein Gegenstand der in der Geschichte des heute noch nicht ganz beseitigten Meinungskampfs über Entstchung und Abfassung dieses pseudepigraphischcn Buches,!vorüber Sie in einer späteren Mittheilung Mehreres vernehmen werden, nicht übersehen werden darf. Doch Zunz blieb bei diesem Versuche nicht stehen. Der ,tiefdenkende Mann sann darüber nach, auf welche Weise das rabbinische Schriftenthum ans sich selbst zu erforschen und zugleich Anderen zum klaren Verständniß zu bringen sei. Wie der geniale Erfinder einer neuen Heilmethode vorerst von allen bisher angewcndeten Heilmitteln absah, um gerade in Dem, woran man bis jetzt gar nicht dachte, das richtige Mittel zu finden, so verfuhr auch Zunz. Alles Das,!vorauf in den tatmudischen Studien bis jetzt fast alleiniger Werth gelegt worden war, ließ er bei Seite; kümmerte sich nicht um Dialektjk, Casuistik und eigentliche Hermeneutik, sah auch vorerst von den! Materiellen des Inhalts ganz ab; obwohl manche getvichtige Fingerzeige beweisen, daß er auch Dieses nie ans dem Gesicht verloren habe. Dahingegen richtete er all sein Augenmerk auf ’) Diesen Gegenstand hat bekanntlich der Hr. Herausgeber dieser Mona!sschrift in seinem Werke (״Der gerichtliche Beweis nach mos., talmüd. Rechte") ausführlich und gründlich behandelt: