Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 252 (sequence 4)
- Language
- German
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252 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. wirken; dessen Schriften durften daher nicht in einer blos den Gelehrten zugänglichen Sprache abgcfaßt sein. Jedermann sollte Das was er suchte in der ihm eigcuthümlichen Mundart darin ausgedrückt finden. Die Altrabbincr verschmäheten daher jede Sprach- und Stylkünstelei, beguemten sich vielmehr ihre Aussprüche und Vorträge, Diskussionen und Entscheidungen meist in dem Idiome wiederzugcben, daö von dem gemeinen Manne, in den Gegenden, wo sie lebten, gesprochen oder verstanden ward. Als Volkssprache der damaligen Juden galt aber das Aramäische (Chaldäische) in seinen vielfachen Dialekten und Abstufungen, vermischt mit Hebräismen und bereichert mit Ausdrücken, Bezeichmrngen und Wortbildungen aus den jeweiligen Landessprachen. So kam cs nun auch, daß in denjenigen talmudischcn Werken und Abhandlungen u. s. w., welche in der Euphrathgcgend abgesaßt wurden, eine Anzahl altpersischer, altere arabische, parthische re. Worte und Benennungen sich vorst'nden, wogegen die in Palästina und späterhin in Griechenland und Italien zum Abschluß gekommenen talmudischcn, midraschischcn und paraphrastischcn Schriften eine Fülle von griechischen und lateinischen Wörtern und Sätzen 'oder jenen Sprachen entnommenen und auf eigene Weise umgcformten Ausdrücken enthalten. — Hierbei ist nur noch auf folgenden Umstand aufmerksam zu machen. In Persien, wo die Juden zur talmndischen Zeit, einzelne Verfolgungcn abgerechnet, größere Autonomie besaßen, in zahlreicheren Gemeinden und Körperschaften zusammenlebten, blieb auch ihr eigenthümliches Idiom — das Aramäische — überwiegend; meist waren es blos spccielle Gegenstände aus der sie umgebenden Natur- und Menschenwclt, juristische oder technische Bezeichnnngen u. s. w., die anS der ׳Landessprache ziemlich unverändert ausgenommen wurde». In den der römischen Herrschaft unterworfenen Ländern hingegen gelangten die Juden (außer früher in Alexandrien und Cyrcnc) nie zu einer solchen Abgcschlvssenheit unter sich in compakten Massen, wie in jenen östliehen Gegenden; sie blieben stets in unausgesetztem Verkehr und Umgang mit den übrigen Landcsbewohnern, nahmen auch an den politischen und Regierungs-Angelegenheiten mehr Thcil. ES ging hier daher ganz natürlich von den Sitten und Einrichtungcn, von den Begriffen und Vorstellungen, die allgemein herrschend tvaren, Mehreres in die jüdischen Schriften zur Darstellnng und Verarbeitung über; römische Staatsereignifse, Hofgebränche, sowie ähnliche, den Juden als bekannt vorausgesetzte